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Interview mit Christian Lindner – Übers Scheitern

Christian Lindner ist Vorsitzender der FDP. Ich durfte Ihn im Rahmen meiner Verbandstätigkeit mehrere Male treffen. Meinen ersten persönlichen Kontakt mit Ihm hatte ich 2015, als ich einen Vortrag mit Ihm im Regionalkreis Nordrhein organisierte. Die Veranstaltung hatte ich kurz vor meiner Wahl zum Bundesvorsitzenden der Jungen Unternehmer "eingetütet". Am Wahltag war Christian Lindner auch als Redner (sein Impulsvortrag war hervorragend) anwesend. Großspurig verkündete ich, dass wir als Unternehmerverband zwar durchaus liberal wären, ich als Vorsitzender aber mit allen demokratischen Parteien sprechen würde ("Wir müssen mit denen reden, deren Meinung wir nur bedingt teilen"). Am Abend kam eine SMS von ihm mit seinen Glückwünschen. Als ich Ihn dann eine Woche später in Köln begrüsste, konnte er schnell das Publikum gewinnen, in dem er von meiner vollmundigen Rede sprach und dann süffisant ergänzte: "Dafür dass er mit allen sprechen möchte setzt er mit seinem ersten Vortrag schon eine liberale Marke".

Nur wenige Monate später sass ich dann zusammen mit Christian Lindner und Horst Wenske, dem Vorsitzenden der Wirtschaftsjunioren, auf einem Podium vor gefühlten 50 Studenten. Was für eine Plackerei. Was für ein Aufwand um vor 50 Stundenten zu sprechen. Allein für mich, aber auch für den in der APO agierenden Chef der Liberalen. Mit zwei jungen Unternehmern vor einer Handvoll Studenten auf Augenhöhe zu diskutieren. Chapeau. Abends gings dann weiter zum Kaminabend der Liberalen. Lindner stellte sich hier in kleinem Kreis bis tief in die Nacht den Fragen verschiedener Parteimitglieder und -förderer. Diese attackierten Ihn und kritisierten viele Details ohne wirklich Verbesserungsvorschläge zu machen.

Ich bekam Respekt vor dem Menschen und dem Politiker Christian Lindner- wenngleich ich bis heute mit vielen Auslegungen des liberalen Gedankentums von Christian Lindner nicht übereinstimme. Er ist sicherlich ein Überzeugungstäter. Jemand, der es auch in der freien Wirtschaft "zu etwas bringen würde". Spannend auch die Information, dass er diesem Interview innerhalb von wenigen Stunden nach Anfrage zustimmte.

Sie waren selbst Unternehmensgründer und sind gescheitert. Welche Erfahrungen haben Sie daraus mitgenommen?

Nach dem Scheitern ist ein Neuanfang möglich. Uns ging es damals wie Hunderten anderer Start-up-Unternehmen, die mit dem Platzen der New-Economy-Blase gescheitert sind. Eine Lehre, die wohl alle gezogen haben: Das Scheitern ist in Deutschland noch ein Stigma. Selbst viele Jahre danach. Ich fordere eine neue Fehlerkultur. Deswegen sage ich ganz offensiv: Gründet, probiert es, auch wenn ihr scheitert. Und wenn ihr scheitert, lernen wir alle etwas daraus. Für mich ist das ein großes Thema: Menschen Mut zu machen, Risiken einzugehen und im Falle des Scheiterns neue Chancen zu geben.

Auf Ihrem Parteitag im Mai 2018 haben Sie für ein „Deutschland der Innovation“ plädiert. Sind wir nicht innovativ? Was muss getan werden?

Deutschland ist stark bei der schrittweisen Optimierung von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen (inkrementelle Innovationen). Bei Sprunginnovationen (radikale Innovationen) sind wir hingegen schwach. In keiner bedeutenden Sprunginnovation der vergangenen Dekade, wie beispielsweise Smartphone, E-Mobilität oder Genom-Editing, war Deutschland federführend. Darüber hinaus fehlt es Deutschland an Stärke in der klassischen IKT-Branche sowie in den neuen, internetbasierten Bereichen der digitalen Wirtschaft. In vielen IKT-Feldern hat Deutschland den internationalen Anschluss verloren. Start-ups und bestehende Unternehmen brauchen gute Rahmenbedingungen, um innovative Ideen umzusetzen. Ein moderner unkomplizierter Staat kann als Innovationsbeschleuniger wichtige Impulse setzen. Andere Länder machen es vor: Eine digitale Verwaltung ist keine Zukunftsutopie. Es genügt nicht nur der längst überfällige Breitbandausbau, sondern es bedarf beispielsweise eines Rechtsrahmens für autonomes Fahren. Wir brauchen unter anderem digitale Freiheitszonen, ein modernes Daten- und Arbeitsrecht, digitale Bildung und die Förderung von Schlüsseltechnologien wie künstliche Intelligenz oder Robotik.

Warum tut sich Deutschland so schwer, bei der Digitalisierung voranzukommen - liegt es nur an der Politik?

Wo die Digitalisierung alles ändert, da muss sich auch die Politik ändern. Wir brauchen in der Politik mehr Fähigkeit und vor allem auch die Bereitschaft zu Innovation und Erneuerung. Wir müssen wieder gestalten, statt nur noch zuzusehen und den Status Quo zu verwalten. Politik muss als Pionier und Vorkämpfer mutig vorangehen, neue Entwicklungen erläutern und für sie werben, Menschen begeistern und mitnehmen. Deutschland muss als Ganzes innovativer werden, indem wir Innovation nicht als Ausnahme begreifen, sondern als Grundlage jedes gesellschaftlichen und technologischen Fortschritts. Innovation in Technik, Wissenschaft und Gesellschaft sind dabei kein Selbstzweck. Es geht nicht darum, einfach alles anders zu machen, sondern besser. 

 

Lust auf mehr?

Ich bin Premium Keynote-Speaker, Buchautor, Unternehmer und Berater. Mein Motto:  Veränderung geht nur über Schmerz oder Leidenschaft: Besser ist Leidenschaft- meistens ist es Schmerz. Mein Ziel: mehr Leidenschaft und Motivation bekommen. Das Thema Digitalisierung begleitet mit Leidenschaft seit über 20 Jahren meiner Leben. Du suchst nach einem Speaker, der dein Publikum begeistert? Du möchtest dein Business noch erfolgreicher weiterbringen? Ich freue mich auf Austausch! 

Hubertus Porschen

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