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Verhandeln im KI-Zeitalter · 10 Min Lesezeit

ChatGPT in Verhandlungen: Die 14 Prompts, die wirklich funktionieren

14 konkrete ChatGPT-Prompts für Vorbereitung, Eröffnung, Hauptteil und Nachbereitung — fertig zum Kopieren, mit Stolperfallen und NDA-Warnung.

HP
Dr. Hubertus Porschen Keynote Speaker · KI · Mittelstand
ChatGPT in Verhandlungen: Die 14 Prompts, die wirklich funktionieren

In den meisten deutschen Prompt-Listen für Verhandlungen fehlen drei Dinge: die Zuordnung zu Verhandlungsphasen, die Stolperfallen pro Prompt und ein klarer Hinweis darauf, was Du auf keinen Fall in eine KI eingeben darfst. Diese Liste schließt diese Lücken.

Wenn Du noch keine strategische Klammer für das Thema hast, lies vorher KI-Verhandlung im Mittelstand. Dort steht das Warum. Hier steht das Wie — 14 Prompts, fertig zum Kopieren, gegliedert nach den vier Phasen einer Verhandlung. Jeder Prompt hat dieselbe Struktur: Template, wann einsetzen, typische Stolperfalle.

Phase 1: Vorbereitung — die 8 Prompts, die den Deal entscheiden

Die Schranner-Regel gilt auch im KI-Zeitalter: 80 % einer Verhandlung wird in der Vorbereitung entschieden. Wer hier 30 Minuten spart, verliert am Tisch 30.000 Euro.

1. Counterpart-Profiling

Agiere als Wirtschaftsprofiler. Analysiere die folgende Person:
- LinkedIn-Profil: [URL oder Stichworte aus dem Profil]
- Funktion und Unternehmen: [Rolle, Firma, Branche]
- Verfügbare öffentliche Hinweise: [Geschäftsbericht, Pressezitate, Vorträge]

Erstelle:
1. Drei vermutete Interessen (rational + emotional)
2. Drei Druckpunkte (was die Person fürchtet oder vermeiden will)
3. Kommunikativer Stil (direkt/indirekt, analytisch/intuitiv, kurz/lang)

Wann einsetzen: Direkt zu Beginn der Vorbereitung, bevor Du irgendetwas Inhaltliches denkst.

Stolperfalle: Echte Personennamen, Mail-Adressen oder andere PII gehören nicht in eine Free- oder Plus-Version. ChatGPT Business mit AV-Vertrag ist hier Mindeststandard.

2. Stakeholder-Mapping

Erstelle ein Stakeholder-Mapping für meine Verhandlung [Kontext].
Identifiziere pro Stakeholder:
- Rolle (Decision Maker, Influencer, Blocker, Beneficiary)
- Wahrscheinlicher persönlicher Vorteil/Nachteil aus dem Deal
- Wie ich diese Person erreichen kann (direkt/über Mittelsmann)

Output als Tabelle, sortiert nach Einfluss auf die Entscheidung.

Wann einsetzen: Sobald die Verhandlung mehr als zwei Personen pro Seite betrifft.

Stolperfalle: Stakeholder-Maps werden schnell aus dem Bauch heraus generiert — verifiziere jede Rollen-Zuschreibung mit mindestens einer realen Quelle (Kollege, Vertriebler, gemeinsamer Kontakt).

3. BATNA-Generator

Mein Deal: [Kurze Beschreibung in 3 Sätzen, ohne konkretes Reservation Price].
Liste meine drei besten BATNAs (Best Alternative To a Negotiated Agreement).
Pro BATNA:
- Beschreibung
- Realistischer Wert (Euro/Zeit/Risiko, grobe Schätzung)
- In welcher Verhandlungsphase ich sie wie kommuniziere

Wann einsetzen: Vor jedem ernsthaften Deal. Ohne BATNA bist Du nicht verhandlungsfähig — Du bist Bittsteller.

Stolperfalle: Dein konkretes Reservation Price ist Geschäftsgeheimnis. Niemals als Zahl in den Prompt schreiben — die KI braucht es nicht, um nützliche Alternativen zu generieren.

4. ZOPA-Analyse

Schätze die ZOPA (Zone of Possible Agreement) für:
- Produkt/Service: [Beschreibung]
- Käufer-Typ: [Branche, Größe, Region]
- Verkäufer-Typ: [dito]

Liefere:
- Lower Bound (was der Käufer maximal zahlt)
- Upper Bound (was der Verkäufer minimal akzeptiert)
- Annahmen, auf denen die Schätzung basiert
- Konfidenzwert von 1 bis 10

Wann einsetzen: Wenn Du Marktdaten brauchst, aber keine Zeit für eine vollständige Recherche hast.

Stolperfalle: ChatGPT halluziniert bei Preisangaben gerne. Die Schätzung ist Ausgangspunkt, kein Ergebnis — immer mit eigenen Marktdaten oder Branchenreports gegenprüfen.

5. Forderungskatalog & Kategorisierung

Erstelle einen Forderungskatalog für: [Verhandlungsziel].

Kategorisiere alle Forderungen in:
- Must-haves (ohne die kein Deal)
- Should-haves (deutliche Verbesserung)
- Tauschmasse (kann ich abgeben, wenn Counterpart anderes liefert)

Pro Forderung: geschätzter Euro-Wert für mich UND für den Counterpart.

Wann einsetzen: Sobald der Deal mehrere Dimensionen hat (Preis + Laufzeit + Service + Garantien).

Stolperfalle: Eine reine KI-Liste wirkt generisch. Reichere sie mit branchenspezifischen Forderungen an, die nur Du als Insider kennst — sonst verhandelst Du wie jeder Wettbewerber.

6. Steelman-the-Opponent

Formuliere die drei stärksten Gegenargumente meines Counterparts zu meinem Angebot:
[Angebot in 5 Sätzen].

Pro Argument:
- Wortlaut, wie der Counterpart es vermutlich vorbringen wird
- Quelle der Macht (Daten / Emotion / Alternative)
- Meine beste Replik (1-2 Sätze, kein Geschwätz)

Wann einsetzen: 24 Stunden vor der Verhandlung. Lass die Antwort liegen, lies sie am Tag selbst nochmal.

Stolperfalle: Funktioniert nur, wenn Du ehrlich die Schwachstellen Deines Angebots beschreibst. Wer schönschreibt, bekommt Steelman-Argumente, die im echten Gespräch nicht auftauchen.

7. Devil's Advocate / Aufsichtsrat

Du bist mein Aufsichtsrat. Zerlege schonungslos meine Verhandlungsstrategie:
[Strategie in 5-7 Sätzen].

Antworte auf:
- Wo verliere ich Geld, ohne es zu merken?
- Welche Annahmen sind nicht belegt?
- Was übersehe ich völlig?
- Was würde ein professioneller Einkäufer von Bosch oder ein erfahrener M&A-Berater jetzt sagen?

Wann einsetzen: Immer, wenn Du Dich in Deine eigene Strategie verliebt hast.

Stolperfalle: Ego-Schutz. Die Tendenz ist, jede Kritik wegzuargumentieren. Antwort speichern, 24 Stunden liegen lassen, am Folgetag mit frischem Kopf lesen.

8. Phasen-Agenda

Erstelle eine Agenda für eine [Dauer]-Verhandlung nach den klassischen
Schranner-Phasen: Eröffnung, Argumentation, Konflikt, Lösung.

Pro Phase:
- Zeitschätzung
- Mein Hauptziel
- Mein wichtigster Move
- Übergangs-Signal zur nächsten Phase

Wann einsetzen: Immer dann, wenn Du eine längere oder formellere Verhandlung führst (über 60 Minuten).

Stolperfalle: Eine Agenda ist kein Skript. Der Counterpart hat eigene Pläne. Wer starr an der Agenda klebt, verliert die Phase, in der die echten Konzessionen passieren. Hintergrund dazu in den sieben teuren Schranner-Fehlern.

Phase 2: Eröffnung — der eine Prompt, der den Anker setzt

9. Anchoring-Eröffnung

Formuliere drei Eröffnungsangebote für: [Deal-Kontext].

Variante A — aggressiv (hoch ankernd)
Variante B — marktüblich
Variante C — defensiv

Pro Variante:
- Wortlaut der Eröffnung (max. 3 Sätze)
- Psychologische Wirkung beim Counterpart
- Erwartete Gegenreaktion
- Wann diese Variante die richtige Wahl ist

Wann einsetzen: Wenn Du in der ersten Runde das Angebot machst — und damit den Anker für die gesamte Verhandlung setzt.

Stolperfalle: Anchoring funktioniert nur mit echter Machtposition. Wer aggressiv ankert, aber keine BATNA hat, riskiert den Abbruch.

Phase 3: Hauptteil — die 3 Prompts für den Tisch

10. Counter-Offer-Generator

Counterpart hat angeboten: [Konditionen].

Generiere drei Gegenangebote:
- Konservativ (kleine Anpassung)
- Mittel (echte Verschiebung)
- Aggressiv (Test der Schmerzgrenze)

Pro Variante:
- Wortlaut
- Begründung, die ich nutze
- Erwartete Reaktion
- Eskalationspfad, falls Counterpart ablehnt

Wann einsetzen: Direkt nach einem Counterpart-Angebot, bevor Du antwortest. Auch in der Pause auf dem Handy.

Stolperfalle: Schicke nichts ab, was Du selbst nicht durchhalten würdest. Aggressive Counter-Offers verlieren ihre Wirkung, wenn Du beim ersten Pushback einknickst.

11. Concession-Plan

Plane meine Zugeständnisse für die Verhandlung [Kontext].

Output:
- Reihenfolge der Zugeständnisse (von klein zu groß? Umgekehrt?)
- Größenordnung pro Schritt (sollte abnehmen, nicht zunehmen)
- Pro Zugeständnis: Junktim-Forderung im Tausch
- Maximales Gesamtzugeständnis, das ich nicht überschreite

Wann einsetzen: In der Pause oder zwischen zwei Verhandlungsrunden.

Stolperfalle: Zugeständnisse niemals gratis. Jede Konzession braucht ein Junktim — „Wenn Du X, dann ich Y." Wer einfach so nachgibt, signalisiert, dass noch mehr Spielraum ist.

12. Rollenspiel / Live-Sparring

Übernimm die Rolle eines [Counterpart-Profil aus Prompt 1].
Verhandle aggressiv mit mir über [Thema und Konditionen].
Bleib in der Rolle, bis ich /stop schreibe.
Beginne mit Deinem ersten Move.

Wann einsetzen: Am Vorabend einer wichtigen Verhandlung. 15 bis 30 Minuten reichen.

Stolperfalle: Kein Ersatz für Sparring mit echten Menschen. Die KI liest keine Politik, kein Schweigen, keine Körpersprache. Lies dazu aktives Zuhören — die Lücke, die KI nicht schließt.

Phase 4: Nachbereitung — die 2 Prompts, die niemand nutzt

13. Post-Mortem / Lessons Learned

Hier mein Protokoll der gerade beendeten Verhandlung:
[Notizen, Zitate, eigene Moves, Reaktionen des Counterparts].

Extrahiere:
- Drei erfolgreiche Moves (was hat funktioniert?)
- Drei Fehler oder verpasste Chancen
- Drei Erkenntnisse für die nächste Runde mit diesem Counterpart

Sortiere nach Hebelwirkung für die nächste Verhandlung.

Wann einsetzen: Innerhalb von 24 Stunden nach der Verhandlung. Später erinnerst Du Dich nicht mehr genau.

Stolperfalle: Das ist der wichtigste Prompt der ganzen Liste. Und der einzige, den 90 % weglassen.

14. Follow-up-Mail

Schreibe eine Follow-up-Mail an [Counterpart-Name] nach unserer Verhandlung über [Thema].

Ziele der Mail:
- Vereinbarte Punkte festhalten
- Offene Punkte mit Deadline
- Subtil meine Verhandlungsposition für die nächste Runde verbessern

Stil: professionell, knapp, keine Floskeln. Max. 180 Wörter. Du-Form? [Ja/Nein]

Wann einsetzen: Direkt nach der Verhandlung, solange die Erinnerung frisch ist.

Stolperfalle: Lass nichts schriftlich festhalten, was nicht klar vereinbart wurde. Die Follow-up-Mail ist Beweismittel — was hier steht, gilt.

Vorsicht

Die NDA-Falle

Cyberhaven hat 2025 gemessen: 34,8 % aller Daten, die Mitarbeiter in KI-Tools eingeben, sind sensibel — Kundennamen, Vertragstexte, Preise, Strategien. In ChatGPT Free oder Plus wandern diese Daten in das Trainings-Korpus, und OpenAI bietet für beide Tarife keinen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO. Wer Vertrags-Entwürfe oder NDA-geschützte Verhandlungsdaten in einen Free-Account kippt, riskiert nicht nur DSGVO-Verstöße, sondern auch den Verlust des Geschäftsgeheimnis-Schutzes. Pflicht für jede gewerbliche Nutzung: ChatGPT Business mit AV-Vertrag. Details zur Tarif-Wahl in den 14 Hebeln für ChatGPT im Unternehmen.

Was Du diese Woche tun solltest

Zwei konkrete Schritte. Erstens: Lege heute einen Custom GPT mit dem Namen „Mein Verhandlungs-Sparring" an und kopiere Prompt 1 und Prompt 7 als Wissensbasis hinein. Damit hast Du ein wiederverwendbares Werkzeug, statt jedes Mal von vorn anzufangen. Zweitens: Vor Deiner nächsten echten Verhandlung gehst Du Prompt 3 (BATNA) und Prompt 11 (Rollenspiel) einmal durch. 30 Minuten Vorbereitung — und Du wirst den Unterschied am Tisch spüren.

Die strategische Klammer um diese 14 Prompts findest Du in KI-Verhandlung im Mittelstand: 5 Use Cases für Entscheider. Und wenn Du die Grundlagen-Modelle noch nicht klar hast, lies kurz ChatGPT verstehen — die meisten Prompt-Probleme sind in Wahrheit Modell-Probleme.

Nächster Schritt

Wenn Du KI-Verhandlung im Team trainieren willst

Diese 14 Prompts sind das Werkzeug. Im KI-Verhandlung-Workshop bauen wir mit Deinem Team ein eigenes Sparring-Setup, das auf Eure Branche, Eure Counterparts und Eure typischen Deals zugeschnitten ist.

KI-Verhandlung Workshop

FAQ: Verhandeln im KI-Zeitalter

Welche ChatGPT-Version brauche ich für diese Prompts? +
Für die meisten Prompts reicht GPT-5. Für Prompt 6 (Devil's Advocate) und Prompt 11 (Rollenspiel) ist ein Reasoning-Modell wie o3 oder GPT-5.5 deutlich besser, weil sie längere Argumentationsketten halten. Für jede gewerbliche Nutzung mit echten Counterpart-Daten ist mindestens ChatGPT Business mit AV-Vertrag Pflicht — Plus reicht nicht.
Darf ich Kundennamen oder Vertragsdaten in ChatGPT eingeben? +
In Free oder Plus auf keinen Fall — Eingaben werden für das Training verwendet, OpenAI bietet keinen AV-Vertrag nach Art. 28 DSGVO. In ChatGPT Business oder Enterprise ist es vertraglich geregelt. Faustregel: Wenn Du etwas nicht öffentlich auf LinkedIn schreiben würdest, gehört es nicht in einen Free-Account.
Welcher der 14 Prompts ist der wichtigste? +
Prompt 14 — das Post-Mortem. Es ist der einzige, den 90 % weglassen, obwohl er den größten kumulierten Effekt hat. Wer nach jeder Verhandlung 15 Minuten in die strukturierte Nachbereitung investiert, wird in einem Jahr ein dramatisch besserer Verhandler sein.
Funktionieren diese Prompts auch in Einkaufsverhandlungen? +
Ja. Tausche im Prompt-Template einfach die Rollen — statt 'mein Counterpart ist Käufer' wird 'mein Counterpart ist Lieferant'. Die Logik bleibt identisch. Im Einkauf besonders wertvoll: Prompt 3 (BATNA), Prompt 5 (Steelman) und Prompt 12 (Concession-Plan).
Was unterscheidet einen guten Verhandlungs-Prompt von einem schlechten? +
Drei Dinge: klare Rollenzuweisung an die KI ('Agiere als...'), präziser Kontext mit Zahlen statt Adjektiven ('80.000-Euro-Auftrag' statt 'großer Deal'), und ein erzwungenes Format ('Liste 3 Punkte mit Begründung'). Vage Prompts liefern vage Antworten — egal welches Modell.
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Dr. Hubertus Porschen Keynote Speaker · KI-Experte · Unternehmer

Keynote Speaker, KI-Experte und Unternehmer mit mehr als 20 Jahren Erfahrung. Mit über 600 Vorträgen im deutschsprachigen Raum, als ehemaliger Bundesvorsitzender der Jungen Unternehmer und Aufsichtsrat einer Genossenschaftsbank verbindet er unternehmerisches Denken mit konkreter KI-Expertise.

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