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Speaker's Cut · 5 Min Lesezeit

Speaker's Cut #002: IMW Menden — Ehrlichkeit, Begeisterung und eine Offerte an die Lehrer

5 Erkenntnisse aus dem KI-Vortrag vor 400 Unternehmern in Menden: Ehrlichkeit, Begeisterung, Humor, harte Arbeit — und warum Lehrer KI lernen müssen.

HP
Dr. Hubertus Porschen Keynote Speaker · KI · Mittelstand
Speaker's Cut #002: IMW Menden — Ehrlichkeit, Begeisterung und eine Offerte an die Lehrer

Menden. Industriekreis Mendener Wirtschaft. 400 Unternehmer im Saal, die Bude rappelvoll. Danach Bar, Cola, Gespräche. Am nächsten Morgen habe ich mir Notizen gemacht, weil so viel hängengeblieben ist. Fünf Sachen, die ich mitnehme.

Erkenntnis 1: Ehrlichkeit schlägt Hochglanz

Ein Teilnehmer sagte mir nachher: "Herr Porschen, das war verdammt ehrlich, was Sie da gemacht haben."

Was er meinte: Ich rede auf der Bühne auch über das, was nicht klappt. Eigene Unternehmensgründungen, die gescheitert sind. KI-Projekte, die nicht funktioniert haben. 95 % der GenAI-Pilotprojekte liefern keinen messbaren ROI — bei mir sind es weniger, aber immer noch eine ganze Menge.

Das führt zu etwas, das kein Hochglanz-Vortrag leisten kann: Augenhöhe. Wenn ich auf der Bühne sage "Ich weiß es nicht", dann trauen sich die Leute im Publikum, die echten Fragen zu stellen. Die unbequemen. Die, auf die es ankommt.

Ehrlichkeit gilt auch für die KI-Einführung im Unternehmen. Klar kommunizieren: Wir haben eine Strategie, wir haben Compliance Guidelines, wir haben ein Framework — aber wir wissen nicht alles. Wir können nicht alles beantworten. Wer das als Führungskraft nicht sagen kann, verliert sein Team auf dem Weg. Mehr dazu, warum Führung im KI-Zeitalter erwachsen werden muss.

Erkenntnis 2: Begeisterung ist nicht optional

Mein Hauptasset auf der Bühne — sagt man mir jedenfalls. "Herr Porschen, ich habe in Ihren Augen gesehen, dass Sie wirklich für das Thema brennen." Ja, natürlich brenne ich dafür. Wäre auch schlecht, wenn nicht. Wofür macht man den Job sonst?

Aber das Learning dahinter ist nicht "Hubertus brennt, schön für ihn". Das Learning ist: Walk the talk. Wenn du als Führungskraft das Thema KI in dein Unternehmen bringen willst, musst du Begeisterung entfachen. Und du kannst nur Begeisterung entfachen, wenn du sie selbst spürst. Nicht gespielt, nicht delegiert — echt.

Das heißt konkret: Bevor du dein Team in eine KI-Schulung schickst, setz dich selbst hin. Bau selbst einen Agenten. Teste selbst die Tools. Wer die Begeisterung nicht hat, braucht gar nicht erst anzufangen. Das gilt für die Keynote genauso wie für das Montagsmeeting.

Erkenntnis 3: Humor öffnet Türen

Manche Sachen muss man auch mal mit einem Grinsen betrachten. Wir haben neulich im eigenen Team ein Townhall-Meeting gemacht — jeder musste mit Langdock einen kleinen Agenten bauen. Der Agent hat Persönlichkeitsfragen gestellt: Was ist dir wichtig? Was kennt keiner an dir? Was macht dich besonders?

Mein Geschäftspartner hat gesagt, er trägt nur graue Sachen. Haben wir uns alle kaputtgelacht, weil er natürlich ein dunkelgraues Shirt anhatte. Unterschiedliche Facetten von Grau, versteht sich.

Dann haben wir aus den Antworten Team-Avatare gebaut, mit denen wir kommunizieren können. Ist das ein Business Case? Auf gar keinen Fall. Aber es macht Spaß — und jeder beschäftigt sich mit KI. Das ist oft mehr wert als jedes Framework.

Erkenntnis 4: Es gibt keine Wunder

Der Vater des Veranstalters kam nach dem Vortrag zu mir. Sehr erfolgreicher Unternehmer. Er sagte: "Der Vortrag hat mir super gefallen. Aber eine Sache hat mir gefehlt: Es gibt keine Wunder."

Was er meinte: Das, was ich erzähle, basiert auf harter Arbeit. Und das muss ich den Leuten auch sagen. Er hat recht. Ich habe darüber einen eigenen Text geschrieben, weil mich der Satz nicht losgelassen hat.

KI-Adoption ist kein 9-to-5-Projekt. Die Dampfmaschine wurde erfunden — aber wer sie nicht bedienen lernt, hat nichts davon. Fordern und fördern, auf beiden Seiten. Ein anderer Gesprächspartner formulierte es so: "Wir haben alles für unsere Mitarbeitenden gemacht. Schulungen, Begleitung, sie werden an die Hand genommen. Aber manche machen es einfach nicht."

Das ist die unbequeme Wahrheit. Du kannst die beste KI-Strategie haben und die häufigsten Fehler bei der Einführung vermeiden — am Ende muss jeder einzelne Mitarbeiter auch mitmachen wollen.

Erkenntnis 5: Bildung ist der größte Hebel

Im Publikum saßen nicht nur Unternehmer. Ein paar Lehrer waren dabei, eine Schuldirektorin, ein Schuldirektor. Die Direktorin hat eine Frage gestellt, und ich habe spontan geantwortet: "Wissen Sie was? Ich komme gerne zu Ihnen, kostenlos, und mache einen Workshop für Ihre Lehrer."

Die Halle hat applaudiert. Jemand hat gefragt: Warum?

Weil das der allergrößte Hebel ist. Wenn Lehrer sich nicht mit KI auseinandersetzen, wie sollen sie es den Schülern beibringen? Die Schüler sind unsere Zukunft. Der Hebel liegt nicht bei der nächsten Enterprise-Lizenz, sondern im Klassenzimmer.

Und damit hängt ein größeres Thema zusammen, das mich seit Menden beschäftigt: Ethik und KI. Wenn die KI immer mehr kann — was machen wir als Menschen dann? Nicht in der Freizeit, sondern: welche Tätigkeiten üben wir aus? Welche Rolle hat der Mensch? Ich werde mich damit in Zukunft stärker beschäftigen.

Was ich mitnehme

Der Mittelstand ist das Herz der deutschen Wirtschaft. Die Leute in Menden waren Hidden Champions, Unternehmer, die tausende Menschen beschäftigen und die man trotzdem nicht kennt. Die haben einen Drive, den viele Konzerne vermissen. Kürzere Strukturen, schnellere Entscheidungen, direkter Kontakt.

Wer als Konzern mit dem Mittelstand mithalten will, muss genau diesen Drive entwickeln. Und wer als Mittelständler KI einführen will, hat einen strukturellen Vorteil: Die Wege sind kurz, die Entscheidungen fallen schnell, und der Chef sitzt meistens noch selbst im Raum.

Menden war genau das, wofür ich diesen Job mache.

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Nächste Keynote — bis bald. Alle Folgen des Speaker's Cut gibt es hier im Blog.

FAQ: Speaker's Cut

Was ist der Speaker's Cut? +
Eine persönliche Reflexion nach einem Live-Vortrag. Keine polierten Frameworks, sondern das, was hängengeblieben ist — Beobachtungen, Gespräche, Feedback. Alle Folgen gibt es im Blog unter der Kategorie Speaker's Cut.
Warum ist Ehrlichkeit bei KI-Vorträgen so wichtig? +
Weil 95 % der KI-Projekte scheitern und die meisten Speaker trotzdem nur über Erfolge reden. Wer auf der Bühne auch eigene Fehler zeigt, schafft Augenhöhe — und das Publikum traut sich, die echten Fragen zu stellen. Ohne Ehrlichkeit bleibt jeder KI-Vortrag eine Hochglanz-Show, die niemanden ins Tun bringt.
Wie bringt man ein Team spielerisch an KI heran? +
Ein Beispiel aus dem eigenen Unternehmen: In einem Townhall-Meeting hat jeder mit Langdock einen kleinen Agenten gebaut, der Persönlichkeitsfragen stellt und daraus einen Avatar erstellt. Kein Business Case, aber jeder hat sich mit KI beschäftigt — und es hat Spaß gemacht. Solche niedrigschwelligen Challenges senken die Hemmschwelle.
Warum sollten Lehrer sich mit KI beschäftigen? +
Wenn Lehrkräfte KI nicht verstehen, können sie Schülern weder den sinnvollen Umgang beibringen noch kritisches Denken im Umgang mit KI-generierten Inhalten vermitteln. Bildung ist der größte Hebel für die KI-Zukunft — und der fängt nicht bei den Schülern an, sondern bei den Lehrenden.
HP
Dr. Hubertus Porschen Keynote Speaker · KI-Experte · Unternehmer

Keynote Speaker, KI-Experte und Unternehmer mit mehr als 20 Jahren Erfahrung. Mit über 600 Vorträgen im deutschsprachigen Raum, als ehemaliger Bundesvorsitzender der Jungen Unternehmer und Aufsichtsrat einer Genossenschaftsbank verbindet er unternehmerisches Denken mit konkreter KI-Expertise.

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