MMXXVI · Köln · Dr. Hubertus Porschen GmbH 4.88 · 377 Bewertungen
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Drei Gründungen, die nicht getragen haben

Elf Mal gegründet. Drei Mal gescheitert.

Die meisten Speaker erzählen, was funktioniert hat. Hier kommt der Teil, der nicht funktioniert hat — und warum genau das die Beratung von heute prägt.

2009: Aqua Primus GmbH (das Kaviar-Startup). Ab 2010: iConsultants und App-Arena, beide mit Sebastian Buckpesch. App-Arena hat 2020 Insolvenz angemeldet, iConsultants wurde geordnet abgewickelt, Aqua Primus in der Frühphase beendet. Was übrig geblieben ist, sind fünf Lessons — und ein anderer Blick darauf, was Mittelständler brauchen, wenn ihre Pilotprojekte gerade nicht funktionieren.

11
Eigene Gründungen
seit 2009
3
Davon explizit
gescheitert
5 J.
Insolvenzverfahren
App-Arena 2020–2025
40+
Mitarbeiter gleichzeitig
zur Spitzenzeit App-Arena
Dr. Hubertus Porschen auf der Bühne — Vortrag über Scheitern und unternehmerische Lernmasse
Warum diese Seite

Speaker reden über Erfolge. Selten über das Gegenteil.

Wer 600 Keynotes gehalten hat, kann sich aussuchen, welche Geschichten er erzählt. Die meisten in diesem Geschäft erzählen die Erfolgs-Geschichten. Diese Seite erzählt die anderen.

Es geht nicht um Selbstmitleid und nicht um Heldengeschichten mit Twist. Es geht um drei konkrete Gründungen, von denen eine in der Insolvenz endete, eine geordnet abgewickelt wurde und eine schon in der Frühphase beendet wurde. Plus die fünf Lessons, die seither in jeder Beratung mitlaufen.

Warum das hier steht: weil 90 Prozent der Speaker-Vita-Texte einen anders sortierten Kompass haben. Sie zählen Auszeichnungen, Bühnen, Bestseller-Listen. Was sie nicht zählen: die Projekte, die in der Schublade gelandet sind, die Mitarbeiter, die gehen mussten, die Erkenntnis, dass eine gute Idee allein noch lange kein Geschäft ist. Wer im Mittelstand ernsthaft beraten will, muss die andere Seite kennen. Diese hier.

Eine Vorbemerkung: Ich beschönige nichts und ich dramatisiere nichts. Manche Stellen werden bewusst kurz bleiben, weil ehemalige Mitgründer und Investoren beteiligt waren — und deren Versionen der Geschichte gehören ihnen, nicht mir.

2009 · Aqua Primus GmbH

Das Kaviar-Startup. Der erste, der nicht trug.

Aqua Primus GmbH, parallel zur Promotion in Marburg. Premium-Food. Idee, Markt und operative Realität passten nicht zusammen.

Gründung 01 · 2009 · Aqua Primus GmbH · Kaviar-Produktion und -Handel · Mehrere Mitgründer

Aqua Primus GmbH. Erste echte Personalverantwortung.

Die Idee

Kaviar-Produktion in Deutschland. Aqua Primus war meine erste Gründung mit echter Geschäftsführer-Verantwortung. Ich hatte gerade BWL in Marburg studiert, mit der Doktorarbeit begonnen und zwei Börsengänge begleitet — NanoRepro und Formycon. Bei Aqua Primus war ich zum ersten Mal in Personalverantwortung. Wir haben einen Börsenmantel gekauft und waren finanziell solide aufgestellt. Mehrere Mitgründer kümmerten sich um Finanzierung.

Was passiert ist

Kurz nach der Gründung kam die Finanz- und Immobilienkrise — Liquiditätsklemme. Die Anlagen für die Kaviar-Produktion waren im laufenden Betrieb zu teuer, also musste das Geschäftsmodell umgestellt werden: weg von der Produktion, hin zum Handel. Ich bin als Geschäftsführer ein Jahr lang durch Deutschland gefahren und habe Kaviar an Sterne-Restaurants und Händler verkauft. Aus der Not eine Tugend: Wir haben einen Red-Bull-ähnlichen Kühlschrank umdesignt zum Kaviar-Kühlschrank — am Ende habe ich nicht den Kaviar verkauft, sondern den Kaviar-Kühlschrank mit Kaviar drin.

Was geblieben ist

Erste Lektion: Geschäftsmodell vor Idee. Wir hatten ein cooles Produkt und einen kreativen Pivot — aber kein skalierbares Geschäftsmodell. Nach 1,5 Jahren bin ich ausgestiegen. Die Firma existierte weiter, ich nicht mehr drin. Das größte Lernen: Leading-by-Example als „ich mach alles selbst“ funktioniert nicht. Ich habe mich im Klein-Klein verloren und es nicht geschafft, mich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren — Skalierung, Strategie, Führung.

ab 2010

iConsultants. Der Erstaufbau in Köln.

Mit Sebastian Buckpesch gegründet. Beratung im Digital-Bereich. Vorläufer von App-Arena und der Lehrgang in Skalierung.

Gründung 02 · ab 2010 · Digital-Consulting · Mit Sebastian Buckpesch · Schwester-Firma der App-Arena

iConsultants GmbH. Beratungs-Schwester der App-Arena.

Die Idee

iConsultants und App-Arena entstanden zusammen mit Sebastian Buckpesch. iConsultants war auf der Beratungsseite — Digital-Consulting für Mittelstand und Konzerne. App-Arena lieferte die Web-Apps und SaaS-Plattform. Beide Firmen haben sich gegenseitig befruchtet: Beratungsprojekte aus iConsultants führten zu Plattform-Aufträgen für App-Arena.

Was passiert ist

Mit der Skalierung der App-Arena (zur Spitzenzeit über 40 Mitarbeiter) konzentrierte sich der operative Fokus zunehmend dort. iConsultants wurde parallel zurückgebaut. Geordnet abgewickelt — keine Insolvenz, anders als später bei der App-Arena. Beratung als Geschäftsmodell skaliert nicht von selbst: jeder Auftrag beginnt von vorn, kein Wiederholungs-Geschäft, kein Plattform-Effekt.

Was geblieben ist

Zweite Lektion: Beratung ist kein Geschäftsmodell, das von selbst skaliert. Wer wachsen will, muss in Produkt denken — und genau das war der Versuch mit App-Arena. Nicht jede Beratungs-zu-Produkt-Migration gelingt; bei uns blieb das Beratungs-DNA zu lange in der App-Arena stecken (zu individuelle Kundenprojekte statt echtes SaaS-Self-Service).

ab 2010

App-Arena. Der lange Lauf.

Zehn Jahre Aufbau, über 100 Mitarbeiter zur Spitzenzeit, dann strukturierter Rückbau. Die Phase, die mich am stärksten geprägt hat.

Gründung 03 · ab 2010 · Web-Apps für Tippspiele, Gewinnspiele, Adventskalender · Mit Sebastian Buckpesch

App-Arena GmbH. Mein Baby. Insolvenzantrag 2020. Abschluss 2025.

Die Idee

App-Arena war mein Baby. Wir haben Web-Applikationen entwickelt — hauptsächlich Tippspiele, Gewinnspiele, Adventskalender — und an Unternehmen verkauft. Sehr viele Sparkassen, sehr viele Volksbanken, plus Mittelstand und Konzerne. In der Spitze über 40 Mitarbeiter gleichzeitig in Köln. Wir wollten das als SaaS-Self-Service anbieten, teilweise sogar über Online-Shop. Wir waren in einem innovativen Bereich unterwegs — und manche Wettbewerber hatten deutlich größere Finanzierungen.

Was passiert ist

Mehrere Probleme gleichzeitig: Wir haben unsere Produkte zu günstig verkauft — komplette Online-Konzepte für 500 Euro, das konnte nicht funktionieren. Vertrieb nicht professionell genug, Produktentwicklung nicht professionell genug. Dazu kamen Konflikte im Gründerteam: viele Business Angels, relativ viele Gesellschafter für die Unternehmensgröße, alle operativ involviert. Streit mit der Deutschen Rentenversicherung wegen 45/45-Beteiligung beider Gründer (statt 50/50) — hohe Nachzahlung. Insolvenzantrag 2020. Bearbeitung bis 2025 — fünf Jahre. Wir Gründer haben persönlich für einen großen Teil des Fremdkapitals gehaftet, mussten sofort zurückzahlen plus Vergleichssumme an den Insolvenzverwalter, um Vorwurf der Insolvenzverschleppung zu vermeiden.

Was geblieben ist

Drittes Lernen: Innovative Gründungen scheitern in 9 von 10 Fällen — wir gehörten dazu. Auch viel Unvermögen in der Führung; die Zeit war nicht reif für unser Produkt; keine ausreichende Zahlungsbereitschaft. Plus: Der deutsche Staat begünstigt Gründer nicht. Wer in die Insolvenz geht, weil er etwas gewagt und Arbeitsplätze geschaffen hat, wird hart sanktioniert. Mein wichtigstes Learning aus dieser Phase: Die richtigen Mitarbeitenden auswählen — intrinsisch motiviert, lernfähig, kompetenzhungrig. Unternehmertum ist Hochleistungssport. Niemand wird mit Glück erfolgreich, sondern durch Fleiß, Talent, sehr viele Fehler — und meistens nicht bei der ersten Gründung.

Buch-Brücke · „Digitaler Suizid“

Was ich darüber im Buch geschrieben habe.

Digitaler Suizid

Aus „Digitaler Suizid“, Status Verlag 2018

Kapitel 4 · Warum wir neue Unternehmen und Unternehmer brauchen

„Seit dem Zweiten Weltkrieg stammen 95 Prozent aller radikalen Neuerungen von Gründern beziehungsweise von Pionieren.“
— Kapitel 4, „Digitaler Suizid“
„Gründen ist nicht schwer, Unternehmer sein dagegen sehr.“
— Kapitel 4, „Digitaler Suizid“
„Kopf braucht Kapital.“
— Kapitel 4, „Digitaler Suizid“
„Wir alle müssen unseren bequemen Fernsehsessel verlassen und die große Aufgabe, Deutschlands Zukunft zu gestalten, in Angriff nehmen.“
— Kapitel 4, „Digitaler Suizid“
Was übrig blieb

Fünf Lessons aus elf Gründungen — drei davon gescheitert.

  1. Idee und Cashflow sind nicht dasselbe.

    Eine spannende Produktidee erzeugt noch keinen wiederholbaren Verkauf. Wer den wiederholbaren Verkauf nicht innerhalb von zwölf Monaten beweist, hat keine Skalierung — er hat ein Hobby mit Steuerberater. Diese Lektion gilt heute genauso für KI-Pilotprojekte: ein beeindruckender Demo macht noch kein Geschäftsmodell.

  2. Timing schlägt Konzept.

    App-Arena hat im richtigen Moment auf den Social-Media-Boom gesetzt — und im falschen Moment auf die Plattform-Abhängigkeit. Konzept war gut. Timing war erst gut, dann schlecht. Wer Timing vor Konzept stellt, gewinnt. Wer Konzept vor Timing stellt, verliert mit guten Argumenten.

  3. Teams entscheiden, nicht Tools.

    Von 5 auf 100 Mitarbeiter zu wachsen ist nicht dasselbe Spiel wie von 1 auf 5. Die Werkzeuge, die in der Frühphase tragen — Direktanrufe, kurze Wege, Geschäftsführer-Bauchgefühl — funktionieren ab 30 Mitarbeitern nicht mehr. Wer das nicht begreift, baut auf falscher Grundlage. Diese Lektion fließt heute in jede AITP-Beratung ein: 30 Prozent Technologie, 70 Prozent Kultur.

  4. Persönlichkeitsentwicklung ist der höchste ROI.

    Im Buch steht eine Geschichte über eine Fitness-Challenge bei 36 Grad: 7,5 Kilometer in 35 Minuten, in der Mitte will ich aufgeben. Die Lektion: kleine Ziele setzen, Schritt für Schritt. Übertragen auf Unternehmertum: Investiere in Lesen, Reflexion, dein Umfeld, deine Persönlichkeit. Das ist die Investition mit dem höchsten Return — gerade in den Phasen, in denen das Unternehmen schwankt.

  5. Scheitern darf nicht beschönigt werden.

    Wer aus einer gescheiterten Gründung eine Erfolgs-Geschichte mit Dreh macht, lernt nichts daraus. Scheitern muss als Scheitern stehen bleiben — sonst wiederholt es sich beim nächsten Mal. Genau deshalb steht diese Seite hier: damit das Lernen vor dem nächsten Versuch greifbar bleibt.

Brücke zu heute

Was das mit KI 2026 zu tun hat.

Wer im Mittelstand 2026 KI-Pilotprojekte ins Wasser fallen sieht, erlebt die gleichen Mechaniken — nur in neuer Hülle.

Das KI-Pilotprojekt, das im Vorstand vorgestellt wird und nie in den operativen Betrieb kommt: Idee und Cashflow nicht dasselbe. Das Demo-Tool, das im Sommer 2024 funktioniert, im Sommer 2025 obsolet ist: Timing schlägt Konzept. Die Software, die als Lösung präsentiert wird, ohne dass jemand mit dem Team über die Anwendung gesprochen hat: Teams entscheiden, nicht Tools.

Wer mit jemandem reden will, der diese Mechaniken aus eigener Erfahrung kennt — nicht aus dem MBA-Kurs, nicht aus der Beratungs-Vorlage — ist hier richtig. Drei gescheiterte Gründungen sind kein Makel. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass die Beratung der Dr. Hubertus Porschen GmbH und die Arbeit der AI Transformation Partners GmbH heute funktioniert.

Ich beschönige nichts. Ich dramatisiere nichts. Ich helfe Mittelständlern, die gleiche Erfahrung zu machen — bevor sie selbst den teuren Weg gehen müssen.

Häufige Fragen

Was Mittelständler dazu oft fragen.

Wie viele Gründungen hast du gemacht — und welche sind gescheitert?
Elf Gründungen seit 2009. Drei davon sind explizit gescheitert: die Aqua Primus GmbH 2009 (das Kaviar-Startup), die iConsultants GmbH und die App-Arena GmbH (beide ab 2010 mit Sebastian Buckpesch). App-Arena hat Insolvenz angemeldet, iConsultants wurde geordnet abgewickelt, Aqua Primus wurde in der Frühphase beendet. Heute aktiv: Dr. Hubertus Porschen GmbH (seit 2019/2020) und AI Transformation Partners GmbH (seit 2024/2025).
Warum sprichst du über deine gescheiterten Gründungen?
Weil 90 Prozent der Speaker nur über Erfolge reden — und das eine verzerrte Vorstellung davon erzeugt, was Unternehmertum wirklich bedeutet. Wer elf Mal gründet, scheitert mehrfach. Die Lessons aus den gescheiterten Projekten sind oft wertvoller als die aus den erfolgreichen — und sie prägen die heutige Beratungs-Haltung.
Hast du dafür Insolvenz angemeldet?
Die App-Arena GmbH hat Insolvenz angemeldet — am Ende einer zehnjährigen Aufbauphase, in der zur Spitzenzeit über 40 Mitarbeiter gleichzeitig im Unternehmen waren und insgesamt deutlich mehr durch das Unternehmen gegangen sind. Die iConsultants GmbH wurde dagegen geordnet abgewickelt, nicht insolvent. Die Aqua Primus GmbH (das Kaviar-Startup) wurde in der Frühphase beendet, lange bevor es zur Insolvenz hätte kommen können.
Was war die Aqua Primus GmbH (das Kaviar-Startup)?
Die Aqua Primus GmbH war eine 2009 gegründete Solo-Gründung im Premium-Food-Bereich (Kaviar), parallel zur Promotionsphase in Marburg. Idee, Markt und operative Umsetzung passten nicht zusammen. Konkret gescheitert, in der Frühphase sauber beendet — keine Insolvenz, keine offenen Forderungen. Wichtigste Lesson: Bevor du Kapital riskierst, prüfe, ob es einen wiederholbaren Verkauf gibt — und ob du die Branche wirklich kennst.
Was waren iConsultants und App-Arena?
iConsultants GmbH und App-Arena GmbH wurden ab 2010 zusammen mit Sebastian Buckpesch in Köln gegründet. Über zehn Jahre Aufbau. Zur Spitzenzeit über 40 Mitarbeiter gleichzeitig in der App-Arena, insgesamt sind über die Jahre wesentlich mehr Menschen durch das Unternehmen gegangen. App-Arena hat Insolvenz angemeldet, iConsultants wurde geordnet abgewickelt. Es war die Phase, in der ich zum ersten Mal operative Verantwortung in dieser Größenordnung getragen habe — mit allem, was das an Skalierungs-Schmerzen bedeutet.
Welche fünf Lessons hast du aus den gescheiterten Gründungen gelernt?
Idee und Cashflow sind nicht dasselbe. Timing schlägt Konzept. Teams entscheiden, nicht Tools. Persönlichkeitsentwicklung ist der höchste ROI. Scheitern darf nicht beschönigt werden — sonst lernt man nichts daraus.
Machst du Coaching für gescheiterte Gründer?
Nicht als eigenes Produkt. Aber das Sparring auf Augenhöhe mit Mittelstands-Unternehmern, deren Pilotprojekte gerade nicht funktionieren — das ist Teil der Beratung der Dr. Hubertus Porschen GmbH. Wer mit jemandem reden will, der das Scheitern aus der Innensicht kennt, ist hier richtig.
Wie hängen diese Erfahrungen mit deiner heutigen KI-Beratung zusammen?
Direkt. Die Mechaniken, die KI-Pilotprojekte 2026 scheitern lassen — Idee ohne wiederholbaren Verkauf, falsches Timing, falsches Team — sind die gleichen, die mich 2009, 2015 und 2018 erwischt haben. Nur in neuer Hülle. Wer einen Berater will, der diese Mechaniken aus eigener Erfahrung kennt statt aus der Beratungs-Vorlage, ist auf der richtigen Seite gelandet.
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