Speaker's Cut #004: Landshut — Warum die Unternehmer den Lehrern voraus sind (und der Weg für beide derselbe ist)
380 Zuhörer aus Schule, Wirtschaft und Politik: Warum Unternehmer bei KI weiter sind als Lehrer — und der Weg, der für beide gilt.
- Erkenntnis 1: Ich habe die Keynote zum ersten Mal komplett per Sprache gebaut
- Erkenntnis 2: Der Weg für den Lehrer ist derselbe wie für die Führungskraft
- Erkenntnis 3: Walk like you talk — der Lehrer muss es selbst können
- Erkenntnis 4: Die Unternehmer sind weiter als die Lehrer — und Datenschutz ist selten der echte Grund
- Erkenntnis 5: 1:0 für Bayern gegen NRW
- Was ich mitnehme
Rückfahrt aus Landshut, es wird dunkel, heute ausnahmsweise Musik statt Squats vor der Kamera. Die Veranstaltung hieß „Schule Wirtschaft Netzwerk“ — allein der Name macht schon Lust auf mehr. Knapp 380 Anmeldungen, der Saal voll, und im Publikum saßen drei Gruppen mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen: Lehrer, Unternehmer, politische Akteure. Hier ist, was hängengeblieben ist.
Erkenntnis 1: Ich habe die Keynote zum ersten Mal komplett per Sprache gebaut
Ich habe den Vortrag von Grund auf neu vorbereitet. Und zwar zum ersten Mal komplett mit KI — inklusive Foliendesign, nur per Sprache gesteuert. Ehrliche Bilanz: Das hat einen Tag gedauert, plus einen weiteren Tag, weil ich Formatierungsprobleme hatte. Ganz so einfach war es also nicht.
Trotzdem war es der Schritt, der mich in der Vorbereitung am weitesten gebracht hat. Design und Präsentation mit KI sind an einem Punkt, an dem sich der Aufwand lohnt — aber eben nicht auf Knopfdruck. Wer dir erzählt, die perfekte Präsentation entsteht in zehn Minuten, hat es nicht gemacht.
Erkenntnis 2: Der Weg für den Lehrer ist derselbe wie für die Führungskraft
Ich wollte mich nicht nur mit dem vorbereiten, wovon ich ohnehin Ahnung habe — also wie man KI in Unternehmen implementiert. Ich habe mich hauptsächlich mit zwei anderen Fragen beschäftigt: Wie verändert KI Arbeit, Jobs, Tätigkeiten und Rollen? Was ändert sich, was bleibt gleich, und warum haben wir eigentlich so viel Angst? Dazu kam der dritte Block: KI in der Bildung.
Und die spannendste Erkenntnis des Abends: Wenn mich ein Lehrer fragt, wie er mit KI starten soll, ist meine Antwort exakt dieselbe wie für jemanden im Unternehmen.
Es sind die Stufen der Integration:
- Exploration. Entdecken, ausprobieren, intrinsische Motivation entwickeln.
- Struktur. Ein eigenes kleines System bauen — erstmal mit datenschutzunkritischen Dingen. Anfangen zu arbeiten.
- Compliance. Das Ganze in ein rechtssicheres System überführen. Da gehört echtes Gehirnschmalz rein.
- Orchestrierung. Agenten einsetzen, Prozesse neu gestalten.
Was auf Unternehmensebene funktioniert, gilt genauso auf der Ebene der Bildung. Kein Sonderweg, keine eigene Didaktik-Rakete — derselbe Fahrplan wie bei der KI-Implementierung im Unternehmen.
Erkenntnis 3: Walk like you talk — der Lehrer muss es selbst können
Top-down oder bottom-up? In der Schule ist die Antwort beides, aber es fängt oben an. Der Lehrer muss Ahnung von KI haben. Du kannst deine Schüler nicht mit KI arbeiten lassen und ihnen etwas über KI beibringen, wenn du es selbst nicht durchdrungen hast. Und ja: ab einem bestimmten Alter — bitte nicht in der ersten Klasse Grundschule.
Der zweite Teil ist Führungsarbeit, und die Klasse ist dabei nichts anderes als ein Team. Du musst es schaffen, dass die Schüler selbst KI nutzen, dass sie Bock darauf haben — und dass sie gleichzeitig anfangen zu reflektieren. Nicht nur Konsument sein, sondern Produzent. Das ist exakt die Bewegung, die ich auch von Geschäftsführern verlange: vom Kontrolleur zum Coach.
Erkenntnis 4: Die Unternehmer sind weiter als die Lehrer — und Datenschutz ist selten der echte Grund
Mein subjektiver Eindruck vor dem Abend hat sich bestätigt: Die Unternehmer sind heute weiter als die Lehrer. Im Bildungssystem müssen wir nachziehen, und das ist schwierig.
Ich habe hochmotivierte Lehrer getroffen, die gesagt haben: Wir dürfen wegen Datenschutz eigentlich gar nichts. Da lohnt die Vogelperspektive — worüber reden wir hier überhaupt? Wir reden nicht über personenbezogene Daten. Wir reden über Exploration: Sprachmodelle entdecken, damit zu arbeiten anfangen, mal einen Aufsatz schreiben lassen und ihn kritisch auseinandernehmen, Gegenpositionen aufbauen lassen, einen schlecht geschriebenen KI-Aufsatz als Negativbeispiel nehmen — und der KI umgekehrt beibringen, so zu schreiben wie man selbst.
Möglichkeiten gibt es genug. Was fehlt, ist meistens nicht die Rechtsgrundlage, sondern die Erlaubnis im Kopf. Das ist dieselbe Mechanik, nach der KI in Unternehmen an der Kultur scheitert und nicht an der Technik.
Nebenbei: Es gibt eine Menge richtig guter Leute, die sich speziell mit KI in der Bildung beschäftigen und Konzepte für Lehrer entwickeln. Ich habe mir dazu selbst einen Kurs gekauft. Die verlinke ich hier demnächst.
Erkenntnis 5: 1:0 für Bayern gegen NRW
Das war die vierte oder fünfte Veranstaltung dieser Art, bei der ich sprechen durfte. Und es ist jedes Mal cool: Die Politiker sind am Start und machen wirklich mit. Die Schulen machen mit. Viele helfen im Ehrenamt. Die Unternehmer sind da.
Diese Verknüpfung von Schule, Wirtschaft und Politik wünsche ich mir genauso für NRW. Und für uns alle wünsche ich mir mehr von dieser Form des Dialogs — auch bei kontroversen Positionen. Es ist nicht die gegen uns, nicht die Unternehmer gegen die Beamten. Es ist eine Gesellschaft. Dass der Saal voll war, zeigt: Das Interesse ist riesig.
Was ich mitnehme
Drei Dinge. Erstens: Bildung braucht keinen eigenen KI-Fahrplan — Exploration, Struktur, Compliance, Orchestrierung gilt für die Klasse wie für die Geschäftsführung. Zweitens: Datenschutz ist in den meisten Schulgesprächen nicht das Problem, sondern das Etikett auf dem Problem. Drittens: Wo Wirtschaft, Schule und Politik tatsächlich an einem Tisch sitzen, passiert etwas. In Bayern habe ich das gesehen.
KI in der Bildung ist nicht mein Kernfokus. Aber ich bleibe dran — nach Menden war das jetzt der zweite Abend, an dem mir das Thema hinterhergelaufen ist. Vielleicht ist das ein Zeichen.
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Und weil ich heute im Auto saß, gab es die Squats erst am Ende: gefühlte zehn, gezählte zehn. Bis bald auf der nächsten Keynote. Alle Folgen des Speaker’s Cut gibt es hier im Blog.
FAQ: Speaker's Cut
Wie sollten Lehrer mit KI starten? +
Ist Datenschutz ein Hindernis für KI im Unterricht? +
Sind Unternehmen bei KI weiter als Schulen? +
Ab welchem Alter sollten Schüler mit KI arbeiten? +
Keynote Speaker, KI-Experte und Unternehmer mit mehr als 20 Jahren Erfahrung. Mit über 600 Vorträgen im deutschsprachigen Raum, als ehemaliger Bundesvorsitzender der Jungen Unternehmer und Aufsichtsrat einer Genossenschaftsbank verbindet er unternehmerisches Denken mit konkreter KI-Expertise.