MMXXVI · Köln · Dr. Hubertus Porschen GmbH 4.88 · 377 Bewertungen
Keynote-Speaker Beratung Übersicht → Alle BeratungswegeKI-Beratung kleine UnternehmenKI-Audit Workshops Übersicht → KI Deep DiveKI in VerhandlungenKI-Workshop Inhouse Formate Übersicht → Alle Formate (Übersicht)WhitepaperBranchenWebinareC-Level CrashkursKI Skills Lab
BuchBlog
Über Übersicht → Über HubertusReferenzen & CasesVideosPresse & Speaker-ProfilÜber das Scheitern
Keynote anfragen → Allgemeiner Kontakt
KI im Mittelstand · 13 Min Lesezeit

Präsentation mit KI erstellen: Warum ich HTML statt PowerPoint nutze.

Jahrelang habe ich versucht, KI dazu zu bringen, brauchbare Folien zu bauen. Das Ergebnis war immer dasselbe: technisch korrekt, inhaltlich okay, visuell austauschbar. Der Fehler lag nicht am Modell. Er lag am Format.

HP
Dr. Hubertus Porschen Keynote Speaker · KI · Mittelstand
Präsentation mit KI erstellen: Warum ich HTML statt PowerPoint nutze

Es gibt eine Zahl, die in jedem zweiten Artikel über Präsentationen auftaucht: 30 Millionen PowerPoint-Folien pro Tag. Sie stammt aus einem Magazinartikel im New Yorker — von 2001. Belegt wurde sie nie, aktualisiert auch nicht. Seit 25 Jahren zitieren wir sie weiter.

Das passt ganz gut zum Thema. Wir reden ständig über Präsentationen, aber kaum jemand hat gemessen, was sie wirklich kosten. Was ich aus über 600 Keynotes und der täglichen Arbeit mit Mittelständlern sagen kann: Es ist viel. Und der größte Teil davon geht nicht in den Inhalt, sondern ins Schieben von Textboxen.

Ich habe deshalb jahrelang versucht, KI dazu zu bringen, mir diese Arbeit abzunehmen. Alle gängigen Tools durchprobiert. Das Ergebnis war jedes Mal dasselbe: entweder formal eine Präsentation, aber generisch und austauschbar — oder visuell ambitionierter, dafür mit gebrochenen Abständen, verrutschten Textgrößen und inkonsistenter Bildlogik.

Der Fehler lag nicht am Modell. Er lag am Format.

Warum KI mit PowerPoint kämpft

PowerPoint wurde für Menschen gebaut. Du ziehst eine Textbox auf eine Fläche, schiebst sie zurecht und siehst sofort, ob es passt. Für uns ist das ideal.

Für ein Sprachmodell ist es unangenehm. Eine .pptx ist keine Datei mit ein paar Folien darin. Sie ist ein gezipptes Paket aus XML-Dateien, Layoutdefinitionen, Masterfolien, Medien, Beziehungen und absoluten Objektpositionen. Was du im Editor siehst, liegt technisch in vielen einzelnen Bausteinen, die exakt zusammenspielen müssen.

Die KI muss deshalb drei Aufgaben gleichzeitig lösen:

  1. die Präsentation inhaltlich richtig denken
  2. die Folien visuell gut gestalten
  3. beides in ein Dateiformat schreiben, das für manuelle Bearbeitung gebaut wurde

Das dritte ist das Problem. Eine gute Folie braucht visuelle Hierarchie, Weißraum, Rhythmus, Reduktion — und ein Gefühl dafür, welche Information überhaupt auf die Folie gehört. Diese Gestaltung dann in Objektkoordinaten zu übersetzen, ist wie Architektur per Telefon zu diktieren.

HTML ist die Sprache, die KI wirklich beherrscht

Bei HTML gebe ich der KI ein Format, das sie lesen, schreiben, verändern und direkt im Browser überprüfen kann.

Kurz zur Einordnung, falls du damit nichts anfängst: HTML ist die Struktursprache des Webs — sie beschreibt, welche Elemente es gibt (Überschrift, Absatz, Bild, Abschnitt) und wie sie zueinander stehen. CSS ist die Gestaltungssprache — sie definiert, wie diese Elemente aussehen: Farben, Schriften, Abstände, Raster, Größen, Druckregeln.

Beides ist reiner Text. Und genau darin liegt der Unterschied.

Bei PowerPoint-Output arbeitet die KI auf ein Ergebnis hin, das am Ende wie eine Folie aussehen soll. Du steuerst das Resultat. Bei HTML und CSS gibst du ihr stattdessen ein explizites Bausystem: Struktur plus Designregeln. Sie kann jede Regel konsequent anwenden, Schritt für Schritt verbessern — und du siehst das Ergebnis sofort.

Praktisch heißt das: Du gibst der KI nicht nur ein Ziel („mach eine schöne Präsentation“), sondern ein Regelwerk, das sie zuverlässig ausführen kann. Farbwerte, Komponenten, Abstände, Typo-Skalen, Druck-CSS für den PDF-Export.

Das ist im Kern dasselbe Prinzip, das ich auch beim Betrieb meiner Website mit KI nutze — und dasselbe, das hinter einer funktionierenden Brand Voice steht:

Das Implizite muss explizit werden. Geschmack, Designlogik, Qualitätskriterien und Storystruktur müssen raus aus deinem Kopf und rein in eine Arbeitsanweisung.

HTML macht aus „mach es schön“ eine Form, mit der KI wirklich arbeiten kann.

Ehrlichkeitshalber

Ja, Claude kann inzwischen auch direkt PowerPoint

Seit Mai 2026 gibt es Claude als Add-in für Microsoft 365. Es liest deine Masterfolien, Layouts, Schriften und Farbschemata und baut Folien in deinem Firmentemplate — mit nativ editierbaren Diagrammen. Für Unternehmen, in denen Decks zwingend in PowerPoint weiterlaufen müssen, ist das der richtige Weg.

Ich nehme trotzdem HTML. Weil das Deck mir gehört, in jedem Browser läuft, versionierbar ist, sich in eine Website einbetten lässt und keine Lizenz braucht. Das Format ist eine Entscheidung — und für Vorträge fällt sie bei mir seit einem Jahr immer gleich aus.

Der Workflow in vier Schritten

Ich habe damit unser Deck neu gebaut. Über den gesamten Prozess gilt: Der Mensch definiert Ziel, Geschmack und Qualität. Die KI übernimmt das Heavy Lifting in der Mitte.

Schritt 1: Dein CI aus einer bestehenden Präsentation ziehen

Ich starte nie mit einer leeren Präsentation. Ich starte mit einer visuellen Referenz.

Das kann ein bestehendes Deck sein, eine Landingpage, ein PDF-Report, ein Brand Guide oder schlicht ein Screenshot eines Designs, das die gewünschte Wirkung trifft. Anthropic nennt in der eigenen Dokumentation ausdrücklich „eine gut gestaltete PowerPoint oder PDF, die eure Marke widerspiegelt“ als zulässige Quelle. Genau das haben Mittelständler in der Regel — irgendeine Präsentation, die mal von einer Agentur sauber gesetzt wurde.

Die KI soll daraus die Designlogik ableiten, nicht das Design kopieren. Reverse Engineering. Diesen Prompt kannst du direkt verwenden:

Extrahiere aus der beigefügten Designreferenz eine detaillierte,
vollständige Design-Guideline für HTML-Präsentationen.
Nicht kopieren — nur die Logik ableiten.
Keine Floskeln; alles als konkrete Regeln mit Werten.
Markiere Annahmen als solche.

Liefere als Markdown:
- North Star (Wirkung, Ein-Satz-Prinzip, 3-5 Merkmale)
- Farben mit Hex-Werten + Einsatzregeln + No-Gos
- Typo-Skalen (H1 / H2 / Body / Label)
- Layout-System (16:9, Grid, Ränder, Weißraum, Footer)
- Komponenten (Card, Badge, Tabelle, Framework): Aufbau + Regeln
- Bildsprache (Icons, Bilder, Illustrationen)
- 6-10 Folientypen (Zweck, Layout, Visual-Logik)
- 10 Hard Rules + QC-Checkliste
- CSS-Tokens (colors, typography, spacing, radius, shadow, lines)

Das Ergebnis ist eine Markdown-Datei. Die speicherst du ab — sie ist ab jetzt dein maschinenlesbares Corporate Design. Bei jedem neuen Deck gibst du sie mit.

Ein wichtiger Hinweis aus der Praxis: Logos kann sich die KI nicht herbeizaubern. Wenn du sie nicht separat als Datei mitgibst, bekommst du schwarze Platzhalter. Das ist kein Fehler des Modells, sondern eine Lücke in deinem Material.

Schritt 2: Erst die Story, dann die Folien

Das ist der häufigste Fehler bei KI-Präsentationen: Man lässt direkt Folien bauen, obwohl die Präsentation noch gar nicht gedacht ist.

Bevor irgendetwas gestaltet wird, brauchst du Inhalt und Dramaturgie. Ich nutze dafür einen eigenen Arbeitsschritt, der wie ein Präsentationsarchitekt arbeitet. Er bekommt Thema, Zielgruppe, Ziel, gewünschte Wirkung, vorhandene Inhalte und die Design-Guideline aus Schritt 1.

Der Output ist eine Folienarchitektur:

  • die Kernbotschaft des gesamten Decks
  • eine Dramaturgie in fünf bis sieben Stationen
  • eine Folientabelle mit Kernbotschaft pro Folie
  • eine Visual-Idee pro Folie
  • der passende Folientyp aus der Design-Guideline
  • die Funktion jeder Folie im roten Faden
  • ein HTML-Briefing für den nächsten Schritt

Diese Tabelle bestätigst du — oder du korrigierst sie. Das ist der Moment, in dem du als Mensch die Qualität festlegst. Danach geht es nur noch um Ausführung.

Schritt 3: Das Deck bauen — mit Preflight statt Draufloscodieren

Erst jetzt wird gebaut. Und zwar nicht Folie für Folie von oben nach unten.

Vorher kommt ein Preflight-Plan. Die KI beantwortet vier Fragen, bevor sie die erste Zeile Code schreibt:

  • Welche Folientypen werden gebraucht?
  • Welche Komponenten werden gebraucht?
  • Welche Folie nutzt welchen Folientyp?
  • Wo gibt es Risiken bei Textmenge, Layout oder PDF-Export?

Danach baut sie das Designsystem im Code auf: Variablen, Grundlayout, Komponenten, Folientypen, Druckregeln. Und erst dann entstehen die einzelnen Folien.

Dieser eine Zwischenschritt ist der Unterschied zwischen einem Deck, das zusammenhält, und einem, das ab Folie sieben auseinanderfällt. Er zwingt die KI, die Präsentation erst als System zu planen, bevor sie produziert.

Das fertige HTML schaust du dir in der Vorschau an und gibst Feedback, bis es sitzt.

Der wichtigste Trick

Feedback zurück in die Anweisung schreiben

Nachdem du drei, vier Feedback-Schleifen gedreht hast, sagst du der KI: „Baue diese Korrekturen in die Arbeitsanweisung ein.“ Beim nächsten Deck startest du dann nicht wieder bei null, sondern auf dem Qualitätsniveau, das du dir gerade erarbeitet hast.

Das ist der Punkt, an dem aus einem Prompt ein Werkzeug wird. Und es ist genau dasselbe Prinzip wie bei eigenen GPTs: Du sammelst dein Wissen an einer Stelle, statt es in jedem Chat neu zu erklären.

Schritt 4: Als PDF exportieren

Wenn das Deck als HTML steht, bleibt eine Frage: Wie verschicke ich das?

Der einfachste Weg für den ersten Versuch: Sag der KI, sie soll eine PDF-Datei erzeugen. Funktioniert für die meisten Decks.

Manuell geht es so — bei reveal.js-basierten Präsentationen hängst du ?print-pdf an die URL:

  1. HTML-Datei in Chrome öffnen (nur Chromium-Browser können das sauber)
  2. ?print-pdf an die Adresse anhängen
  3. Drucken → Ziel: Als PDF speichern
  4. Layout: Querformat
  5. Ränder: keine
  6. Hintergrundgrafiken aktivieren — sonst kommt das Deck weiß raus
  7. Speichern

Wenn dein Deck Webfonts, Verläufe oder Animationen nutzt, ist decktape die robustere Alternative. Es rendert jede Folie einzeln über einen Headless-Browser statt über den Druckdialog und liefert deutlich zuverlässigere Ergebnisse.

Online-Konverter würde ich nur für unkritische Inhalte nutzen. Bei Kundenmaterial, internen Strategien oder Zahlen ist mir das Risiko zu hoch.

Der Handlungsleitfaden: Was du konkret tun musst

Genug Theorie. Wenn du das nachbauen willst, ist das die Reihenfolge — inklusive der Punkte, an denen die meisten scheitern.

Handlungsleitfaden

In neun Schritten zum eigenen Präsentations-Setup

  1. Material zusammensuchen (30 Minuten). Such die eine Präsentation aus deinem Unternehmen, die wirklich gut aussieht. Dazu: Logo-Dateien in sauberer Auflösung (SVG oder PNG mit Transparenz), deine Hausschriften, falls vorhanden die Farbwerte aus dem Corporate Design. Wenn du kein CI-Handbuch hast, reicht die gute Präsentation allein.

  2. Design-Guideline erzeugen (20 Minuten). Lade das Material in Claude hoch und nutze den Extraktions-Prompt aus Schritt 1. Du bekommst eine Markdown-Datei zurück.

  3. Guideline prüfen und korrigieren (30 Minuten). Das ist der Schritt, den fast alle überspringen — und der über alles Weitere entscheidet. Geh die Farbwerte durch: Stimmen die Hex-Codes? Sind die Schriftgrößen plausibel? Fehlen Folientypen, die du regelmäßig brauchst? Korrigier direkt in der Datei.

  4. Guideline abspeichern. Als design-guideline.md an einem Ort, den du wiederfindest. Diese Datei ist ab jetzt dein Ausgangspunkt für jedes Deck. Sie ist mehr wert als jedes Tool-Abo.

  5. Erstes Testdeck bauen (1 Stunde). Nimm ein Thema, das du gut kennst — idealerweise eine Präsentation, die du schon einmal gehalten hast. So erkennst du sofort, ob das Ergebnis trägt. Gib der KI: die Guideline, das Thema, die Zielgruppe, das Ziel, die gewünschte Wirkung. Lass sie erst die Folienstruktur liefern und bestätige sie, bevor gebaut wird.

  6. Drei Varianten statt einer. Lass dir die ersten Folien in drei Varianten bauen und wähle die beste aus. Eine bestehende Version nachträglich in die richtige Richtung zu schieben, ist deutlich mühsamer, als aus mehreren Vorschlägen zu wählen.

  7. Feedback-Schleifen drehen — und sichern. Korrigier, bis es sitzt. Dann die entscheidende Anweisung: „Schreib diese Korrekturen dauerhaft in die Arbeitsanweisung.“ Sonst wiederholst du beim nächsten Deck dieselben Runden.

  8. PDF-Export testen, bevor es eilig wird. Mach den Druck-Test einmal in Ruhe, nicht zwei Stunden vor der Präsentation. Prüf besonders: Sind die Hintergründe da? Bricht Text um? Fehlen Schriften?

  9. Wiederholen und verdichten. Ab dem dritten Deck merkst du den Effekt. Die Guideline wird schärfer, die Arbeitsanweisung präziser, die erste Version besser. Das ist kein einmaliges Projekt, sondern ein Werkzeug, das mit jeder Nutzung besser wird.

Realistischer Zeitaufwand für das erste Mal: ein halber Tag. Ab dem zweiten Deck: ein bis zwei Stunden statt eines kompletten Arbeitstags.

Häufigster Fehler

Die Guideline nicht prüfen

Ich sehe das regelmäßig: Jemand lässt die Design-Guideline generieren, überfliegt sie, findet sie „sieht gut aus“ — und wundert sich drei Decks später, warum die Farben nie ganz stimmen. Die KI trifft Annahmen, wenn Material fehlt. Sie markiert diese Annahmen sogar, wenn du sie darum bittest. Aber lesen musst du sie selbst.

Eine halbe Stunde Korrektur in Schritt 3 spart dir bei jedem einzelnen späteren Deck Nacharbeit.

Wenn es noch schöner werden soll: Claude Design

Seit April 2026 gibt es Claude Design als eigene Oberfläche unter claude.ai/design. Verfügbar auf Pro, Max, Team und Enterprise, aktuell als Research Preview.

Der Unterschied zum reinen Chat: Du legst dort ein Design System an — aus einem Code-Repository, aus Screenshots oder eben aus einer guten PowerPoint. Claude extrahiert daraus Farbpalette, Typografie, Komponenten und Layout-Regeln, zeigt sie dir zur Freigabe und macht sie dauerhaft verfügbar. Danach greift jedes neue Projekt automatisch darauf zu.

Für Präsentationen gibt es einen eigenen Modus für Slide Decks, und der erste Wurf ist oft überraschend nah dran. Exportieren kannst du als PDF, PPTX, eigenständiges HTML oder als komplettes Projekt. Über die verbundenen Apps geht es unter anderem weiter nach Canva und Miro.

Drei Dinge solltest du vorher wissen:

  • Es kostet spürbar mehr. Claude Design hat kein eigenes Kontingent, sondern zieht aus demselben Nutzungspool wie Chat und Claude Code. Wer ausgiebig damit arbeitet, merkt das schnell.
  • Es ist Beta. Kein Mobile, gelegentliche Aussetzer, Mehrpersonen-Bearbeitung unzuverlässig.
  • Für regulierte Umgebungen relevant: Anthropic dokumentiert für Claude Design ausdrücklich keine Data Residency und keine Audit-Logs. Wenn du strategische Unterlagen verarbeitest, gehört das in die Bewertung.

Mein Fazit nach mehreren Wochen: Für den ersten Wurf und für Explorationen großartig. Für den wiederholbaren Alltagsprozess bleibe ich beim HTML-Workflow.

Und Gamma? Und Copilot?

Gamma ist eine gute Lösung — schnell, hübsch, in Minuten produktiv. Es importiert sogar Themes aus einer .pptx und zieht sich Farben, Schriften und Logos heraus.

Die Grenze liegt genau da, wo es für Unternehmen interessant wird: bei der Treue zum eigenen CI. Hochgeladene Templates werden nicht zuverlässig übernommen, und der PPTX-Export flacht Layouts ab. Ein deutscher Praxistest vom März 2026 hat fünf Tools an derselben Aufgabe getestet — dasselbe Briefing, dasselbe vorgegebene Corporate Design. Ergebnis: Claude erzielte die beste CI-Nähe, Schriften, Farben und Strukturelemente weitgehend korrekt. Gamma übernahm hochgeladene Templates unzuverlässig, ein weiteres Tool ignorierte das CI komplett und lieferte acht Folien statt einer.

Nacharbeit brauchten alle. Das ist die ehrliche Antwort: Es gibt kein Tool, bei dem du oben ein Briefing reinwirfst und unten ein sendefertiges Deck herausbekommst.

Wer wissen will, wie die großen Modelle sonst zueinander stehen: Das habe ich im Vergleich von ChatGPT, Claude und Gemini für den Mittelstand ausführlicher aufgeschrieben.

Was das für dein Unternehmen bedeutet

Bis hierhin klang das wie eine Werkzeugfrage. Ist es aber nicht.

Die GfK hat 2014 für den deutschen Markt erhoben — die Zahl ist alt, aber ich habe seitdem nichts erlebt, was dagegen spricht: 70 Prozent der internen und 75 Prozent der externen Präsentationen entsprachen nicht dem Corporate Design. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern weil die Regeln in einem PDF lagen, das niemand liest, während die Deadline drückt.

Genau das ändert sich jetzt. Wenn dein CI als maschinenlesbare Datei existiert, ist die Einhaltung kein Disziplinproblem mehr, sondern Standardeinstellung. Das ist der eigentliche Hebel — nicht die eingesparten Stunden.

Und damit wird es eine Führungsfrage:

  • Wer pflegt die Design-Guideline? Wenn jeder seine eigene Version hat, hast du das alte Problem in neuer Form.
  • Wer darf ein Design System freigeben? In Claude Design darf das ohne explizite Rechtevergabe jeder, der Zugang hat.
  • Welche Inhalte dürfen rein? Ein Vertriebsdeck ist unkritisch. Die Strategiepräsentation für den Beirat ist es nicht.

Die Microsoft-Studie zur KI-Nutzung von 2026 kommt auf einen Punkt, den ich in jedem Beratungsmandat bestätigt sehe: Rund zwei Drittel der Wirkung von KI hängen an der Organisation, nur ein Drittel am einzelnen Anwender. Ein Werkzeug, das drei Leute im Marketing kennen, verändert nichts. Eine gepflegte Guideline, auf die alle zugreifen, verändert, wie dein Unternehmen nach außen aussieht.

Der Rest ist Routine — genau wie bei den anderen KI-Use-Cases im Mittelstand, die tatsächlich funktionieren.

Fazit

Wenn du mit KI Folien bauen willst, musst du anfangen, die Sprache der Modelle zu sprechen. Und das ist nicht PowerPoint — das ist Code.

Der Workflow dahinter ist überschaubar:

  1. Design-Guideline aus einer bestehenden Referenz erstellen
  2. Präsentationsstruktur entwickeln, bevor gestaltet wird
  3. HTML-Deck mit Preflight bauen lassen
  4. Iterieren — und das Feedback in die Anweisung zurückschreiben
  5. Als PDF exportieren

Ich habe mir dafür einen eigenen Skill gebaut, der genau diese Schritte abbildet: Recherche zum Thema, Folien-Outline zur Bestätigung, dann erst das fertige HTML im richtigen Design. Wenn du den haben und für dein Unternehmen anpassen willst, schreib mir einfach eine Mail an [email protected] — ich schicke ihn dir.

Der Aufwand, das einmal sauber aufzusetzen, liegt bei einem halben Tag. Die Frage ist nicht, ob du diesen halben Tag hast. Die Frage ist, wie viele halbe Tage du im letzten Jahr mit dem Verschieben von Textboxen verbracht hast.


Quellen und weiterführende Hinweise

Workshop

KI-Werkzeuge, die im Alltag wirklich ankommen

Ein Präsentations-Workflow ist ein Anfang. Im KI Skills Lab arbeiten wir mit deinem Team an den Werkzeugen, die in eurem Alltag tatsächlich Zeit sparen — mit euren Daten, eurem CI und euren Prozessen.

KI Skills Lab ansehen

FAQ: KI im Mittelstand

Warum soll ich eine Präsentation als HTML bauen statt als PowerPoint? +
Weil HTML und CSS reiner Text sind — und Text ist das Format, in dem Sprachmodelle am präzisesten arbeiten. Du gibst der KI kein Ziel wie „mach es schön“, sondern ein Regelwerk: Farbwerte, Typo-Skalen, Abstände, Komponenten. Die KI kann jede dieser Regeln konsequent anwenden und das Ergebnis sofort im Browser prüfen. Eine .pptx-Datei ist dagegen ein Paket aus XML-Dateien, Masterfolien und Objektpositionen, das die KI nur indirekt steuert.
Wie bekomme ich mein Corporate Design in die KI? +
Über Reverse Engineering. Du lädst eine bestehende, gut gestaltete Präsentation oder ein PDF hoch, das deine Marke sauber abbildet, und lässt die KI daraus eine Design-Guideline ableiten: Farbpalette mit Hex-Werten, Typo-Skalen, Layout-Raster, Komponentenregeln und CSS-Tokens. Das Ergebnis speicherst du als Markdown-Datei und gibst sie bei jedem neuen Deck mit. Anthropic nennt in der eigenen Dokumentation explizit „eine gut gestaltete PowerPoint oder PDF“ als zulässige Quelle für ein Design System.
Wie drucke ich eine HTML-Präsentation als PDF? +
Bei reveal.js hängst du ?print-pdf an die URL, öffnest sie in Chrome und wählst im Druckdialog „Als PDF speichern“, Layout Querformat, Ränder auf keine, Hintergrundgrafiken aktiviert. Für komplexere Decks mit Webfonts und Animationen ist decktape zuverlässiger — es rendert jede Folie einzeln über einen Headless-Browser statt über den Druckdialog.
Ist Gamma nicht einfacher als der HTML-Weg? +
Für den ersten Wurf ja. Gamma importiert Themes aus einer .pptx und ist in Minuten produktiv. Die Grenze zeigt sich bei der CI-Treue: Hochgeladene Templates werden nicht zuverlässig übernommen, und der PPTX-Export flacht Layouts ab. Ein deutscher Praxistest vom März 2026 hat fünf Tools an derselben Aufgabe getestet — Claude erzielte die beste Nähe zum vorgegebenen Corporate Design. Nacharbeit brauchten alle Tools.
Was kostet dieser Workflow? +
Der HTML-Weg über einen normalen Claude-Zugang läuft im bestehenden Abo mit. Claude Design ist auf Pro, Max, Team und Enterprise verfügbar, hat aber kein eigenes Kontingent — es zieht aus demselben Nutzungspool wie Chat und Claude Code und verbraucht spürbar mehr davon. Wer nur gelegentlich ein Deck braucht, fährt mit dem HTML-Workflow günstiger.
HP
Dr. Hubertus Porschen Keynote Speaker · KI-Experte · Unternehmer

Keynote Speaker, KI-Experte und Unternehmer mit mehr als 20 Jahren Erfahrung. Mit über 600 Vorträgen im deutschsprachigen Raum, als ehemaliger Bundesvorsitzender der Jungen Unternehmer und Aufsichtsrat einer Genossenschaftsbank verbindet er unternehmerisches Denken mit konkreter KI-Expertise.

Keynote Beratung