„Von der Politik können wir nicht erwarten, dass der Ruck durchs Land geht. Wir müssen selber anpacken.“
Keynote KI für Ärzte: FIDAS Graz, Kongress „Die neue Ära der Medizin“
Über 75 Prozent dieser Zielgruppe sehen KI skeptisch, schätzte der Veranstalter. Der Auftrag: wachrütteln, unternehmerischen Spirit wecken, und zwar bei Menschen, die 150 bis 200 Patienten am Tag sehen. Der Fokus lag auf Praxisorganisation, nicht auf Medizin.
- Veranstalter
- FIDAS Graz ↗
- Anlass & Ort
- Kongress „Die neue Ära der Medizin“ · Graz
- Format
- Keynote 40 bis 45 Min. + Podium · Deutsch
- Publikum
- Niedergelassene Ärzte und Zahnärzte
Was der Veranstalter wollte. Und wer im Saal saß.
Jede Keynote KI beginnt mit einem Briefing-Gespräch. Daraus entstehen Titel, Branchenteil und Use Cases. Das war der Auftrag hier.
Die Aufgabe
FIDAS wollte seiner Ärzteklientel eine inspirierende Bühne bieten. Keine allgemeine KI-Trendveranstaltung, sondern: Es geht um euch. Wachrütteln, unternehmerischen Spirit wecken. Danach sollte man beim Glas Wein ins Gespräch kommen.
Das Publikum
Niedergelassene Wahl- und Kassenärzte sowie Zahnärzte mit Praxen von 3 bis 10 Mitarbeitenden. Kassenärzte sehen teils 150 bis 200 Patienten am Tag, die Assistenzen sind überlastet. Nach Einschätzung des Veranstalters sehen über 75 Prozent KI skeptisch.
Der Rahmen
40 bis 45 Minuten pro Redner, danach ein gemeinsames Podium mit Publikumsfragen, im Anschluss Networking. Zweiter Redner: Prof. Markus Hengstschläger, Genetiker an der MedUni Wien.
„KI-Trends in der Ärzteschaft. Was KI in der Ordination schon leistet, und wie Sie Zeit für Medizin zurückholen.“
Was in der Keynote passiert ist.
Rekonstruiert aus Briefing und Deck. Mitschnitte gibt es nicht, die Folien bekamen die Teilnehmenden per QR-Code.
Über 75 Prozent dieser Zielgruppe sehen KI skeptisch. Das sagte mir der Veranstalter im Briefing, und er kannte sein Publikum: niedergelassene Wahl- und Kassenärzte sowie Zahnärzte, Praxen mit drei bis zehn Mitarbeitenden, teils 150 bis 200 Patienten am Tag. Die Steuerberatung FIDAS Graz hatte sie zum Kongress „Die neue Ära der Medizin“ eingeladen. Der Auftrag an mich: wachrütteln. Unternehmerischen Spirit wecken. Und danach beim Glas Wein ins Gespräch kommen.
Ich bin kein Arzt. Ich habe über Schumpeter promoviert. Das habe ich gleich zu Beginn gesagt, weil es die wichtigste Entscheidung dieser Keynote erklärt: Es ging nicht um Medizin, sondern um die Organisation der Praxis.
Volle Wartezimmer, alternde Ordinationen, knappe Hände
Die Lage in der Steiermark, aus dem Deck: 34,4 Prozent der steirischen Niedergelassenen sind 60 oder älter, unter 40 sind nur 9,2 Prozent. 48,5 Prozent der Ordinationen sind Wahlarzt-Ordinationen. 68 Prozent der Österreicher spüren den Kassenarztmangel im Alltag.
Und dann die Pointe, die im Saal am meisten Nicken ausgelöst hat: Der Staat digitalisiert. Die Arbeit landet bei Ihnen. Elektronische Honorarnoten, e-Card und ELGA auch für Wahlärzte, Codierpflicht mit mindestens einer ICD-10-Diagnose pro Kontakt. Rechenbeispiel: 60 Kontakte mal 30 Sekunden sind 30 Minuten am Tag. Sie wollten Arzt werden, nicht Buchhalter, Codierer und Telefonzentrale.
Dr. Andrea K., 53, Wahlärztin in Graz
Statt über „die Ärzteschaft“ zu reden, habe ich eine Persona auf die Bühne gestellt, typisiert auf Basis der Mandantenstruktur: Allgemeinmedizinerin, 53, Wahlärztin mit Einzelordination in Graz, vier Mitarbeitende, 40 bis 60 Patienten am Tag, zwei Abende pro Woche Dokumentation. ChatGPT privat ja, in der Praxis nein. Ihr größtes Problem: Die beste Assistentin wechselt in die neue Primärversorgungseinheit ums Eck. Dazu eine Variante für die Zahnmedizin.
Europa ist stark in der Grundlagenforschung und schwach in der Umsetzung. Von der Politik können wir nicht erwarten, dass der Ruck durchs Land geht. Wir müssen selber anpacken. Für Dr. Andrea K. heißt das: nicht auf die Kammer warten.
Der Mensch bleibt beim Patienten
Die Ordinationsassistenz hat elf typische Tätigkeiten. Sechs davon übernimmt die KI: Telefon, Terminvergabe, Rezeptanfragen, Zuordnung von Befunden, Briefe, Recall. Beim Menschen bleiben die Einschätzung der Dringlichkeit, der Empfang, Blutabnahme und EKG, ängstliche Patienten und die Einarbeitung neuer Kolleginnen.
Für die Ärztin selbst: Die KI entwirft Karteieintrag und Brief aus dem Gespräch, schlägt ICD-10-Codes vor, fasst den Posteingang zusammen und formuliert Befunde in Laiensprache vor. Die Ärztin entscheidet, gibt jeden Eintrag frei und hört zu, im Gespräch, für das jetzt Zeit ist. Niemand tastet einen Bauch per Chatbot ab. KI nimmt die Abende mit der Kartei ab.
Vier Fragen gehören vorher beantwortet, aus dem KOMPASS-Modell für die Ordination: Dürfen die Daten dahin? Wer gibt frei? Ist es ein Medizinprodukt? Kann das Team damit umgehen, wie es der AI Act verlangt?
Zehn Use Cases, nach Aufwand und Impact
Sofort startbar, null bis drei Monate: der KI-Telefonassistent, rund 1,5 Stunden pro Tag für die Assistenz. Ambient Scribe, 29 Prozent weniger Dokumentationszeit. ICD-10-Codierung in drei Sekunden. Befunderklärung in Laiensprache. Recruiting und Praxishandbuch.
Mittelfristig: Posteingang-Triage, Röntgen-KI in der Zahnmedizin, lückenlose Abrechnung. Langfristig: das digitale Team end-to-end, vier Personen versorgen wie heute sechs, und das geteilte KI-Backoffice mehrerer Ordinationen.
Die ökonomische Frage dahinter: Differenzierung entsteht in der Beziehung zum Patienten. Die KI übernimmt das Papier. Sie gewinnen die Zeit fürs Gespräch. Und als Abhängigkeit, die diese Branche besonders betrifft: die Ordinationssoftware. Ohne offene Schnittstellen bestimmt der Anbieter das Tempo.
Der erste Abend ohne Kartei
Der Schluss: Es liegt in Ihrer Hand. Nicht das nächste Tool, sondern der erste Abend ohne Kartei. Prof. Markus Hengstschläger hat danach über Lösungsbegabung gesprochen, über Offenheit bei unsicheren Dingen und den Mut, Dinge umzusetzen, statt sie abzuwehren. Zwei Vorträge, ein Bogen.
Was ich mitgenommen habe: Die Ärzteschaft ist im Alltag gefangen. Die Abläufe in den Praxen wurden über Jahrzehnte sozialisiert, und genau das macht den Wandel schwerer als jede Technik. Welchen Abend in Ihrer Woche würden Sie als ersten zurückholen?
Was hängen blieb. Sätze aus dem Vortrag.
„Sie wollten Arzt werden, nicht Buchhalter, Codierer und Telefonzentrale.“
„Niemand tastet einen Bauch per Chatbot ab. KI nimmt die Abende mit der Kartei ab.“
„Es liegt in Ihrer Hand. Nicht das nächste Tool, sondern der erste Abend ohne Kartei.“
Was ich aus diesem Auftritt mitgenommen habe.
Keine Erfolgsmeldung, sondern Notizen vom Rückweg. Was funktioniert hat und was ich beim nächsten Mal anders mache.
- 01
Die Ärzteschaft ist im Alltag gefangen.
Sie kann kaum noch das tun, wofür sie angetreten ist: am Patienten arbeiten. Zeit, Personal und Informationslast sind die drei Engpässe, und jeder davon wächst. Das war im Saal keine These, sondern Erfahrung.
- 02
KI schafft Zeit für den Patienten.
Genau dafür ist sie in der Ordination da. Nicht um Medizin zu machen, sondern um das Papier zu übernehmen. Wer das einmal verstanden hat, sieht Ambient Scribe und Telefonassistent nicht mehr als Bedrohung, sondern als Entlastung.
- 03
Die Abläufe sind über Jahrzehnte sozialisiert.
Dafür braucht es den Blick über den Tellerrand und die Bereitschaft, Dinge anders zu machen. Das ist der schwierigere Teil, schwieriger als jede Technik. Ein Vortrag kann den Blick öffnen. Den Abend ohne Kartei muss jede Praxis selbst organisieren.
Wer außerdem auf der Bühne stand.
Eine Keynote KI wirkt stärker, wenn der Abend einen Bogen hat. Diese Rednerinnen und Redner haben ihn mitgespannt.
Prof. Markus Hengstschläger
Er sprach darüber, wie wichtig Offenheit für Neues gerade bei unsicheren Dingen ist, über die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, und über den Mut, Dinge umzusetzen, statt sie abzuwehren. Für ein Publikum, das KI mehrheitlich skeptisch sieht, war das die passende zweite Stimme.
Fragen zu dieser Keynote und zum Format.
Was Veranstalter fragen, die einen ähnlichen Vortrag wie bei FIDAS Graz planen.
Wie spricht man als Keynote Speaker KI vor skeptischen Ärzten?
Indem man nicht über Medizin redet. Ich bin kein Arzt, sondern habe über Schumpeter promoviert. Der Fokus lag auf Praxisorganisation: Dokumentation, Arztbrief, Patientenkommunikation, Telefon, Recall. Niemand tastet einen Bauch per Chatbot ab. KI nimmt die Abende mit der Kartei ab. Mit dieser Trennung verschwindet der größte Teil der Skepsis.
Welche KI-Use-Cases wurden für Ordinationen gezeigt?
Zehn Use Cases, nach Aufwand und Impact geordnet. Sofort startbar in 0 bis 3 Monaten: KI-Telefonassistent mit rund 1,5 Stunden Entlastung pro Tag für die Assistenz, Ambient Scribe mit 29 Prozent weniger Doku-Zeit, ICD-10-Codierung in drei Sekunden, Befunderklärung in Laiensprache, Recruiting und Praxishandbuch. Mittelfristig Posteingang-Triage, Röntgen-KI in der Zahnmedizin und lückenlose Abrechnung. Langfristig das digitale Team end-to-end und das geteilte KI-Backoffice mehrerer Ordinationen.
Welche Fragen müssen geklärt sein, bevor KI in einer Arztpraxis eingesetzt wird?
Vier KOMPASS-Fragen für die Ordination: Dürfen die Daten dahin, also Gesundheitsdaten, Auftragsverarbeitung, EU-Hosting? Wer gibt frei? Kein Karteieintrag, kein Code und kein Brief ohne ärztliche Freigabe. Ist es ein Medizinprodukt? Und kann das Team damit umgehen, wie es der AI Act verlangt?
Passt eine KI-Keynote zu einem Kundenkongress einer Steuerberatung?
Ja, wenn der Veranstalter seine Mandanten in den Mittelpunkt stellt. FIDAS Graz wollte keine Trendveranstaltung, sondern einen Abend, bei dem es um die Ärzte geht. Die Persona „Dr. Andrea K.“, Wahlärztin mit Einzelordination in Graz, wurde auf Basis der Mandantenstruktur typisiert. So erkennt sich das Publikum wieder, und die Steuerberatung positioniert sich als Partner für mehr als die Buchhaltung.
Verwandte Casesund Keynotes.
Ähnliche Veranstaltung in Planung?
Eine Keynote KI wie bei FIDAS Graz: 30 Minuten Briefing, dann Branchenteil, Rollenbeispiele und Use Cases für Ihr Publikum. Kein Standardvortrag, kein Vertriebsgespräch.