„Sie lechzen nach Erfahrungswerten. Die gibt es nicht. Jeder, der was anderes erzählt, ist ein Schwätzer.“
Keynote KI für Führungskräfte: noventic group, Herbsttagung in Hamburg
Vor einem Jahr bekam jede Führungskraft einen ChatGPT-Zugang. Seitdem lief das Thema nebenher. Jetzt sollte KI gesteuert werden: Ordnungsrahmen, Reihenfolge, Erfahrungen von außen. Und die Frage, warum viele Piloten keinen Unterschied machen.
- Veranstalter
- noventic group ↗
- Anlass & Ort
- Herbsttagung der Führungskräfte · Hamburg
- Format
- Keynote 60 Min. + 30 Min. Diskussion · Deutsch
- Publikum
- 30 bis 40 Führungskräfte aus Holding und Töchtern
Was der Veranstalter wollte. Und wer im Saal saß.
Jede Keynote KI beginnt mit einem Briefing-Gespräch. Daraus entstehen Titel, Branchenteil und Use Cases. Das war der Auftrag hier.
Die Aufgabe
Keynote als Absprungbasis für die Workshops der Führungskräfte zum Start ins Geschäftsjahr. Leitfrage: Wo steht die Welt, wo stehen wir, und was erwarten wir von euch als Führungskräften? Dazu das Spannungsfeld zwischen Innovation und Compliance bei sensiblen Verbrauchsdaten.
Das Publikum
30 bis 40 Führungskräfte aus Holding und Töchtern eines Messdienstleisters mit 1.300 Mitarbeitenden und knapp 300 Millionen Euro Umsatz. Vom Kollegen kurz vor der Rente bis zur Digital-Tochter, die KI-basiert entwickelt. Vier Bereiche: Softwareentwicklung, Sachbearbeitung, Elektronikfertigung, Montage.
Der Rahmen
90 Minuten in Hamburg, davon 60 Vortrag und 30 Diskussion. Interaktiver Einstieg mit Fragen ans Publikum, Schwerpunkte je nach Raum. Kundenservice, Softwareentwicklung und Abrechnung bewusst ausgespart, weil sie den Workshops am Nachmittag gehörten.
„„Wir machen doch schon KI.“ Warum Pilotprojekte den Alltag nicht verändern, und was jetzt in Ihrer Hand liegt.“
Was in der Keynote passiert ist.
Rekonstruiert aus Briefing und Deck. Mitschnitte gibt es nicht, die Folien bekamen die Teilnehmenden per QR-Code.
Im Briefing fiel ein Satz, den ich mir wörtlich notiert habe: Vor einem Jahr hat jede Führungskraft einen ChatGPT-Zugang bekommen. Seitdem läuft das Thema eher nebenher. Das ist der ehrlichste Satz, den ein Unternehmen über seinen KI-Stand sagen kann. Und er beschreibt die Mehrheit des deutschen Mittelstands.
Die noventic group ist ein Messdienstleister mit 1.300 Mitarbeitenden und knapp 300 Millionen Euro Umsatz. Zur Herbsttagung kamen 30 bis 40 Führungskräfte aus Holding und Töchtern nach Hamburg, vom Kollegen kurz vor der Rente bis zur Digital-Tochter, die KI-basiert entwickelt. Vier Welten in einem Raum: Softwareentwicklung, Sachbearbeitung, Elektronikfertigung, Montage. Meine 90 Minuten waren die Absprungbasis für die Workshops am Nachmittag.
Hand hoch, wer diese Woche KI genutzt hat
Der Einstieg war die Standortbestimmung, die ich in jeder Keynote mache, hier aber mit Schwerpunkt: Wer hat diese Woche KI genutzt? Wer hat einen Ablauf dauerhaft verändert? Wer hat eine Aufgabe komplett abgegeben? Die Übung ist so gebaut, dass die Hände von Frage zu Frage weniger werden. Die Pointe: Genutzt ist nicht verändert.
Daraus folgt die Pilotfalle. Viele Piloten, kein Unterschied. Drei Gründe: Werkzeug statt Prozess. Niemand darf etwas weglassen. Niemand misst. Die Frage ist nicht, ob Sie KI nutzen. Sondern was Sie seitdem nicht mehr tun.
Ab 2027 kann das jeder
Dann die Branchenlage, zugespitzt auf einen Satz: Dann ist Fernablesung Standard für alle. Rund 19 Millionen Wohneinheiten werden verbrauchsabhängig abgerechnet. Bis Ende 2026 müssen alle nicht fernablesbaren Geräte nachgerüstet sein, bei nicht konformer Abrechnung dürfen Mieter um 15 Prozent kürzen. Ab 2027 kann das jeder. Was dann noch unterscheidet, ist, was nach der Messung passiert.
Dazu ein Hinweis, der im Saal für Stille sorgte: Ihre Kunden haben ein KI-Playbook. Die Wohnungswirtschaft arbeitet mit der GdW-Arbeitshilfe zu generativer KI, inklusive Projekt-Checkliste. Meine Frage: Kommen Sie darin vor?
Die Montage bleibt Handwerk
Der Monteur im Mehrgeschossbau hat elf typische Tätigkeiten. Vier davon gehen an die KI: Gerätedaten nachschlagen, Zählerstand erfassen, Montageprotokoll schreiben, Abweichungen melden. Die Montage bleibt Handwerk. Und weil Abrechnungen rechtsverbindlich sind, zeichnet am Ende ein Mensch.
In der Werkshalle dasselbe Bild für die Führungsrolle: Die KI wertet Prüfdaten und Ausschuss aus, erkennt Fehlermuster in Rückläufern und meldet Wartungsbedarf. Die Führungskraft entscheidet, ob eine Charge gesperrt oder die Linie gestoppt wird. Und sie coacht ihr Team.
Für den Messdienst habe ich das KOMPASS-Modell aus dem Whitepaper „Kompass für Führung“ auf drei Fragen reduziert. Haftung: Wer zeichnet, wenn KI die Abrechnung vorbereitet? Daten: Verbrauchsdaten sind personenbezogen. Mitbestimmung: Misst ein System Leistung oder Verhalten von Menschen, ist der Betriebsrat von Anfang an dabei.
Sechs Use Cases, drei durchgerechnet
Montagebericht aus Sprache und Foto. Einsatzplanung für den Fernablese-Rollout. Prüf- und Fehleranalyse in der Fertigung. Regulatorik-Lotse mit Quellenangabe. Ausschreibungs- und Angebotsmaschine. Eingangsrechnungen mit Confidence-Gate. Kundenservice, Softwareentwicklung und Abrechnung habe ich bewusst ausgespart, die gehörten den Workshops.
Drei davon mit Zahlen: Der Montagebericht spart rund 10 Minuten Dokumentation pro Monteur und Tag. Bei rund 350 Monteuren sind das rechnerisch über 10.000 Stunden im Jahr. Der Regulatorik-Lotse liefert belastbare Auskünfte in Minuten statt Stunden, mit Fundstelle. Und das Confidence-Gate für Eingangsrechnungen spart in einem Projekt von AI Transformation Partners rund 12 Stunden pro Woche und rund 21.000 Euro im Jahr, bei rund 10.000 Euro einmaligem Invest.
Heute Transparenz, morgen Handlungsempfehlungen
Die ökonomische Frage zum Schluss: Wenn Standard für alle billiger wird, wo entsteht Differenzierung? Meine Antwort für diese Branche: in der Veredelung der eigenen Daten. Heute verkaufen Sie Transparenz. Morgen Handlungsempfehlungen. Als vierte Abhängigkeit kam der Energiebedarf von KI auf die Folie, für eine Effizienz-Gruppe Kostenrisiko und Positionierung zugleich.
Die Übergabe an die Workshops bestand aus drei Leitfragen, eine davon: Welcher Prozessschritt dürfte ab Montag ohne Mensch laufen? Und ein Schluss, der kein Fazit war: Nicht die nächste Pilotgruppe, sondern der erste Prozess, den Sie weglassen.
In der Diskussion danach kam die Geschichte des 85-jährigen Familienunternehmers zur Sprache, der mir nach einem Vortrag sagte: Sie haben eine Sache vergessen. Es gibt keine Wunder. Welchen Prozess würden Sie als ersten weglassen?
Was hängen blieb. Sätze aus dem Vortrag.
„Wir sind nicht mitten in der Revolution, wir stehen am Anfang. Wir starten alle bei Null.“
„Ab 2027 kann das jeder. Was dann noch unterscheidet, ist, was nach der Messung passiert.“
„Nicht die nächste Pilotgruppe, sondern der erste Prozess, den Sie weglassen.“
Was ich aus diesem Auftritt mitgenommen habe.
Keine Erfolgsmeldung, sondern Notizen vom Rückweg. Was funktioniert hat und was ich beim nächsten Mal anders mache.
- 01
Messbarkeit ist das Riesenthema.
Es wird schon viel gemacht. Aber wie drückt sich das in Zahlen aus? Ohne Vorher-Messung gibt es keinen Nachweis, und ohne Nachweis bleibt KI ein Hobby der Engagierten statt eine Entscheidung der Geschäftsführung.
- 02
Ohne Zielbild kein Fokus.
Die Frage, wozu KI überhaupt eingesetzt werden soll, war im Raum offener als gedacht. Erst das Zielbild sortiert die Piloten: Welche zahlen darauf ein, welche sind Spielerei?
- 03
Die Führungskraft wird zum Coach.
Führung verändert sich grundlegend, es gelten neue Spielregeln. Die Führungskraft muss ihre Mitarbeitenden für die Arbeit mit KI befähigen, nicht ihnen Tools zuweisen. Das ist eine andere Rolle als die, für die viele im Raum befördert wurden.
- 04
Wer KI führt, wird selbst Führungskraft.
Wer KI nutzt und sie wie einen Menschen behandelt, mit Kontext, Erwartung und Feedback, führt plötzlich seine KI-Assistenten. Das gilt auch für die Sachbearbeitung. Führung ist damit keine Hierarchiefrage mehr.
Fragen zu dieser Keynote und zum Format.
Was Veranstalter fragen, die einen ähnlichen Vortrag wie bei noventic group planen.
Warum hieß die Keynote „Wir machen doch schon KI“?
Weil das der Stand bei der noventic group war: Jede Führungskraft hatte seit einem Jahr einen ChatGPT-Zugang, es gab Piloten, es wurde viel ausprobiert. Die Keynote setzte bei der Pilotfalle an, mit drei Gründen, warum Piloten den Alltag nicht verändern: Werkzeug statt Prozess, niemand darf etwas weglassen, niemand misst. Die Frage ist nicht, ob Sie KI nutzen, sondern was Sie seitdem nicht mehr tun.
Welche KI-Use-Cases wurden für einen Messdienstleister gezeigt?
Sechs Use Cases entlang der Wertschöpfung: Montagebericht aus Sprache und Foto, Einsatzplanung für den Fernablese-Rollout, Prüf- und Fehleranalyse in der Elektronikfertigung, Regulatorik-Lotse mit Quellenangabe, Ausschreibungs- und Angebotsmaschine sowie Eingangsrechnungen mit Confidence-Gate. Drei davon wurden durchgerechnet, etwa der Montagebericht mit rund 10 Minuten Ersparnis pro Monteur und Tag, bei rund 350 Monteuren rechnerisch über 10.000 Stunden im Jahr.
Wie geht eine KI-Keynote mit Compliance bei Verbrauchsdaten um?
Über drei KOMPASS-Fragen für den Messdienst: Haftung, denn wer zeichnet, wenn KI die Abrechnung vorbereitet? Daten, denn Verbrauchsdaten sind personenbezogen. Mitbestimmung, denn misst ein System Leistung oder Verhalten von Menschen, ist der Betriebsrat von Anfang an dabei. Dazu der Hinweis, dass die Wohnungswirtschaft als Kunde bereits mit der GdW-Arbeitshilfe zu generativer KI arbeitet.
Wie wird eine Keynote KI an die Workshops danach gekoppelt?
Mit einer Übergabe statt einem Fazit. Für die drei Workshop-Themen Kundenservice, KI-Programmierung und Heizkostenabrechnung gab es je eine Leitfrage, zum Beispiel: Welcher Prozessschritt dürfte ab Montag ohne Mensch laufen? So beginnt der Nachmittag mit einer Entscheidung statt mit einer Wiederholung.
Verwandte Casesund Keynotes.
Ähnliche Veranstaltung in Planung?
Eine Keynote KI wie bei noventic group: 30 Minuten Briefing, dann Branchenteil, Rollenbeispiele und Use Cases für Ihr Publikum. Kein Standardvortrag, kein Vertriebsgespräch.