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Case · Mitarbeiterversammlung · Verteidigungsindustrie

Keynote KI vor der ganzen Belegschaft: Hersteller von Marinesonar-Systemen

Der Startschuss für KI in einem stark wachsenden Unternehmen der Verteidigungsindustrie. Höchste Anforderungen an Datensicherheit, ChatGPT und Cloud tabu, eine eigene lokale KI-Lösung seit rund einem Jahr im Haus. Und 280 Menschen, die wissen wollten, was das für sie heißt.

Dr. Hubertus Porschen als Keynote Speaker KI auf der Bühne
Bühnenfoto aus einer früheren Keynote
Veranstalter
Hersteller von Marinesonar-Systemen
Anlass & Ort
Mitarbeiterversammlung · Firmenstandort des Kunden
Format
Impuls, ca. 30 Min. + Fragen · Deutsch
Publikum
Gesamte Belegschaft, ca. 250 bis 280 Mitarbeitende
Ausgangslage

Was der Veranstalter wollte. Und wer im Saal saß.

Jede Keynote KI beginnt mit einem Briefing-Gespräch. Daraus entstehen Titel, Branchenteil und Use Cases. Das war der Auftrag hier.

01

Die Aufgabe

Motivationsvortrag als Startschuss für Veränderung. Die Botschaft der Geschäftsführung: KI ist kein Strohfeuer, sondern die größte Veränderung der Arbeitsweise seit der industriellen und digitalen Revolution. Das Management investiert strukturell und finanziell. Die Belegschaft soll sich öffnen.

02

Das Publikum

Die ganze Belegschaft, rund 250 bis 280 Mitarbeitende aus Entwicklung, Fertigung, Einkauf und Verwaltung. Die Mehrheit kennt die interne KI-Lösung, eine Gruppe aus allen Bereichen setzt bereits erste Quick Wins um. Teilweise sind die Erwartungen überhöht.

03

Der Rahmen

Rund 30 Minuten als allgemeiner Einstieg in die Mitarbeiterversammlung. Danach stellte das Management die KI-Strategie des Unternehmens vor, anschließend Fragerunde der Belegschaft. Das Unternehmen wird auf dieser Seite nicht genannt.

Titel der Keynote

„Game Over oder Game Changer? Wie KI alles ändert.“

Auf der Bühne

Was in der Keynote passiert ist.

Rekonstruiert aus Briefing und Deck. Mitschnitte gibt es nicht, die Folien bekamen die Teilnehmenden per QR-Code.

Volle Auftragsbücher. Keine Zeit. So habe ich die Lage dieser Branche auf der ersten Folie zusammengefasst, und niemand im Saal hat widersprochen. Rheinmetall meldet 63 Milliarden Euro Auftragsbestand, vor 2022 waren es 24 Milliarden. TKMS steht bei 20 Milliarden mit Optionen bis 45. Bis 2030 fehlen der deutschen Rüstungsindustrie 55.000 bis 75.000 Fachkräfte. Ein Satz aus der TKMS-Geschäftsführung bringt es auf den Punkt: Wir kommen aus einer Zeit, in der jeder Zeit hatte, aber kein Geld. Jetzt haben wir Geld, aber keine Zeit.

Vor mir saßen 250 bis 280 Menschen, die das jeden Tag spüren. Entwicklung, Fertigung, Einkauf, Verwaltung. Ein Unternehmen, das massiv wächst und seit rund einem Jahr eine eigene, lokale KI-Lösung betreibt. ChatGPT und Cloud-Dienste sind tabu, aus gutem Grund. Die Geschäftsführung wollte mit dieser Versammlung den Startschuss geben: KI ist kein Strohfeuer. Wir investieren. Und wir brauchen euch dabei.

Eine Revolution der Arbeitsweise, nicht ein neues Tool

Dreißig Minuten vor der ganzen Belegschaft sind kein Strategievortrag. Die Strategie kam direkt danach vom Management. Meine Aufgabe war der Rahmen davor: Warum passiert das gerade, und warum geht es jeden an?

Der Einstieg war deshalb bewusst breit: 725 Milliarden Dollar KI-Investitionen von Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta in einem Jahr, mehr als der deutsche Bundeshaushalt. Technologie wächst exponentiell, Organisationen logarithmisch. Und dann der Satz, der in dieser Branche besonders zieht: Alle haben das Thema, ihr seid nicht die einzigen.

Berufe werden in Tätigkeiten zerlegt

Der Kern der Keynote war die Neuverteilung von Arbeit, gezeigt an zwei Rollen aus dem Haus.

Die Entwicklungsingenieurin für Sonarsysteme: Die KI übernimmt die Erstsichtung von Lastenheften, Protokolle aus technischen Reviews, den Abgleich von Normverweisen, Berichtsentwürfe, Übersetzungen und die Suche in alten Projekten. Beim Menschen bleiben technische Entscheidungen, die Entwicklung der Signalverarbeitung, Verhandlungen mit Marinen, die Einarbeitung des Nachwuchses und komplexe Abnahmefälle.

Die Führungskraft im Einkauf: Die KI übernimmt Bedarfsvorhersage, Angebotsvergleich und Fristenüberwachung bei kritischen Bauteilen. Die Führungskraft verhandelt mit Lieferanten, entscheidet bei Zielkonflikten zwischen Preis, Liefertreue und Qualität und führt das Team.

Kein Beruf verschwindet. Er zerfällt in Tätigkeiten, und die wandern.

Bei uns geht das nicht

Diesen Einwand habe ich nicht abgewartet, sondern selbst auf die Bühne geholt. Sicherheit, Compliance, Betriebsrat. In der Marinerüstung ist das keine Ausrede, sondern Realität. Also habe ich die KOMPASS-Fragen aus meinem Whitepaper „Kompass für Führung“ auf diese Realität gemünzt:

  • Autorisierung: Eine KI-Zusammenfassung eines Lastenhefts ist keine Angebotsentscheidung. Ein KI-Prüfbericht ist keine Abnahme. Bei allem, was in die militärische Abnahme geht, bleibt das Vier-Augen-Prinzip Pflicht.
  • Prüfarchitektur: Ein internes Protokoll verträgt eine Stichprobe. Eine sicherheitsrelevante Spezifikation braucht die volle Prüfung.
  • Sozialer Vertrag: Die gewonnene Zeit darf nicht stillschweigend zur neuen Mengenvorgabe werden. Sie soll in bessere Entwicklung, saubere Dokumentation und die Einarbeitung des Nachwuchses fließen.

Dazu ein Blick auf KI made in Germany: n8n für Automatisierung und Agenten, Black Forest Labs für Bildmodelle, Parloa für Voice AI. Für ein Unternehmen, das auf Datensouveränität angewiesen ist, sind das keine Fußnoten. Und die Voice-Folie habe ich ausdrücklich als Zielbild markiert, weil Sprachfunktionen im Haus noch nicht verfügbar sind. Lieber ehrlich als beeindruckend.

Was ist euer Pferd, was euer Traktor?

Der Schluss gehörte dem Bild, das ich in fast jeder Keynote benutze, hier aber besonders gut passte: Der Traktor allein brachte der Landwirtschaft nichts. Erst neu organisierte Felder machten den Unterschied. Der richtige Change ist nicht das Werkzeug, sondern die Neuorganisation der Arbeit.

Deshalb der Appell an jeden Einzelnen im Saal: Fangt an, selbst mitzudenken. Nicht jeder Prozess wird von oben durchdekliniert. Ihr wisst, welche Erstsichtung zwei Tage frisst und welche Übersetzung seit Jahren auf dieselbe Kollegin wartet. Die Revolution ist nicht das Tool. Es ist die Neuverteilung von Arbeit.

Was ist in Ihrem Betrieb das Pferd, das noch jeden Tag angespannt wird?

Kernsätze

Was hängen blieb. Sätze aus dem Vortrag.

„Alle haben das Thema, ihr seid nicht die einzigen.“

Dr. Hubertus Porschen · Keynote bei Hersteller von Marinesonar-Systemen

„Fangt an, selber mitzudenken, weil nicht jeder Prozess von oben durchdekliniert wird.“

Dr. Hubertus Porschen · Keynote bei Hersteller von Marinesonar-Systemen

„Der richtige Change ist, die Felder anders zu organisieren. Was ist euer Pferd, was euer Traktor?“

Dr. Hubertus Porschen · Keynote bei Hersteller von Marinesonar-Systemen

„Eine KI-Zusammenfassung eines Lastenhefts ist keine Angebotsentscheidung. Ein KI-Prüfbericht ist keine Abnahme.“

Dr. Hubertus Porschen · Keynote bei Hersteller von Marinesonar-Systemen
Erkenntnisse

Was ich aus diesem Auftritt mitgenommen habe.

Keine Erfolgsmeldung, sondern Notizen vom Rückweg. Was funktioniert hat und was ich beim nächsten Mal anders mache.

  1. 01

    Wachstum ist der Hebel.

    Das Unternehmen wächst massiv. Damit sind viele Prozesse historisch gewachsen, und genau dort liegt der Hebel für KI. Wer in zwei Jahren die Belegschaft verdoppelt, kann sich keine Abläufe leisten, die nur im Kopf eines Einzelnen funktionieren.

  2. 02

    Die Offenheit war da.

    Verständnis für KI und Bereitschaft bei den Mitarbeitenden waren spürbar. Das ist in der Verteidigungsindustrie keine Selbstverständlichkeit, weil jede neue Technologie zuerst gegen Sicherheitsanforderungen bestehen muss.

  3. 03

    Eigene Lösungen sind der richtige erste Schritt.

    Datenschutz und Datensicherheit sind in dieser Branche nicht verhandelbar. Dass das Unternehmen eine eigene, lokale KI-Lösung betreibt statt auf Cloud-Dienste zu warten, war die richtige Entscheidung. Lieber ein begrenztes Werkzeug im Einsatz als das perfekte in der Warteschleife.

  4. 04

    Top-down und Bottom-up gleichzeitig.

    Entscheidend sind Strategie, Roadmap und die Kommunikation des Managements. Aber ohne Mitdenken an jedem Arbeitsplatz bleibt die Strategie Papier. Beides muss gleichzeitig gelebt werden, nicht nacheinander.

FAQ

Fragen zu dieser Keynote und zum Format.

Was Veranstalter fragen, die einen ähnlichen Vortrag wie bei Hersteller von Marinesonar-Systemen planen.

Warum wird das Unternehmen auf dieser Seite nicht genannt?

Weil es ein Hersteller von Marinesonar-Systemen aus der Verteidigungsindustrie ist. In dieser Branche gelten höchste Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit, und das gilt auch für die Außenkommunikation. Genannt werden deshalb nur Branche, Format und Inhalt der Keynote, nicht Firmenname, Standort oder Produkte.

Wie funktioniert eine KI-Keynote, wenn ChatGPT und Cloud-Dienste im Unternehmen tabu sind?

Der Vortrag arbeitet dann mit dem, was im Haus verfügbar ist, hier einer eigenen lokalen KI-Lösung, die seit rund einem Jahr läuft. Funktionen, die intern noch nicht verfügbar sind, etwa Sprachsteuerung, werden ausdrücklich als Zielbild gekennzeichnet und nicht als Versprechen. Dazu gehörte ein Blick auf KI made in Germany: n8n für Automatisierung und Agenten, Black Forest Labs für Bildmodelle, Parloa für Voice AI.

Was ist der Unterschied zwischen einer Keynote KI für Führungskräfte und einer für die ganze Belegschaft?

Vor der ganzen Belegschaft geht es nicht um Strategie, sondern um Selbstwirksamkeit. Die Kernbotschaft war: Fangt an, selbst mitzudenken, weil nicht jeder Prozess von oben durchdekliniert wird. Gezeigt wurde an einer Entwicklungs- und einer Einkaufsrolle, welche Tätigkeiten die KI übernimmt und welche beim Menschen bleiben. Die Strategie kam direkt danach vom Management.

Wie geht eine KI-Keynote mit dem Vier-Augen-Prinzip in der militärischen Abnahme um?

Über die KOMPASS-Fragen Autorisierung und Prüfarchitektur: Eine KI-Zusammenfassung eines Lastenhefts ist keine Angebotsentscheidung, ein KI-Prüfbericht ist keine Abnahme. Bei allem, was in die militärische Abnahme geht, bleibt das Vier-Augen-Prinzip Pflicht. Ein internes Protokoll verträgt eine Stichprobe, eine sicherheitsrelevante Spezifikation braucht die volle Prüfung.

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